Gezielte Abtreibungen schrecken auf

Gehen Europa bald die Mädchen aus?

Offenbach - Nicht nur in asiatischen Ländern werden Mädchen seit Jahren gezielt abgetrieben. Die Praxis macht sich auch in osteuropäischen Ländern breit. Die EU-Beitrittskandidaten Albanien, Bosnien, Kroation und Montenegro stehen unter besonderer Beobachtung.

Dass in diesen osteuropäischen Ländern offenbar viele Mädchen gezielt abgetrieben werden, sorgt jetzt auch für Besorgnis bei Europaabgeordneten. Die Grünen-Parlamentarierin Franziska Brantner weist in einem Medienbericht auf Widersprüche in Reaktionen auf diese Entwicklung hin.

Das Absurde sei, dass die Europäische Union die Familienplanung in China kritisieren dürfe, weil das rote Riesenreich als Entwicklungsland gelte. Das sei bei den Balkanländern, mit denen die EU derzeit verhandelt, anders. Dort falle Abtreibung in den Bereich der Gesundheitspolitik - und nicht der Menschenrechtspolitik. „Die EU kann politisch Druck machen, rechtlich hat sie gegen die Beitrittskandidaten mit zweifelhafter Abtreibungspolitik aber keine Handhabe“, so Brantner.

Abbruch der Schwangerschaft

Hintergrund des Trends: Die moderne Pränataldiagnostik erfüllt den Wunsch vieler Eltern nach einem Stammhalter. Der wirtschaftliche Aufschwung in vielen Ländern, besonders in China und Indien - den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt - hat dazu geführt, dass sich immer mehr Frauen eine Ultraschalluntersuchung leisten können - und sich für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, wenn der Fötus ein Mädchen ist.

Die Folgen sind jetzt schon spürbar: In ganz Asien, wird der Bevölkerungsexperte Christophe Guilmoto vom Institut für Entwicklung an der Universität Paris-Descartes zitiert, fehlen 117 Millionen Frauen. Weltweit gibt es ein Defizit von 160 Millionen Mädchen und Frauen.

psh

Quelle: op-online.de

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