Terrorwarnungen

Kommentar: Gelassene Wachsamkeit

Sicherheitsbehörden stehen vor einem Dilemma, wenn sie auf Hinweise für geplante Terroranschläge stoßen: Bewahren sie Stillschweigen und es passiert etwas, stehen sie am Pranger. Sprechen sie Warnungen aus, die sich als unbegründet erweisen, folgt der Vorwurf der Panikmache. Von Lorenz von Stackelberg

Die USA haben sich jetzt (vielleicht auch deshalb, weil das Land vor Kongresswahlen steht) für Warnungen vor Europa-Reisen entschieden, nachdem sie von angeblichen Plänen für Anschläge auch in Deutschland erfahren haben wollen. Hiesige Behörden dagegen wiegeln ab. Und die Menschen sind verwirrt: Was tun?

Vor allem nicht ins Bockshorn jagen lassen! Ein Klima der Furcht, sogar ganz ohne Bomben, das freut niemanden mehr als die Terror-Paten selbst. Dass auch Deutschland im Fadenkreuz islamistischer Fanatiker liegt, ist schließlich seit dem zunehmenden Engagement der Bundeswehr in Afghanistan eine bekannte Tatsache; dass Anschläge nicht zuverlässig verhindert werden können, wie sich unter anderem in Madrid, in London, in Moskau oder in Bombay gezeigt hat, leider auch.

Es wäre also ziemlich sinnlos, um jeden öffentlichen Papierkorb einen Bogen zu machen, Bahnstationen und Flughäfen zu meiden oder öffentliche Veranstaltungen zu boykottieren, solange es an konkreten Hinweisen fehlt. Jeder muss selbst entscheiden, wie er mit seinem persönlichen Restrisiko in dieser verletzlichen Welt umgeht – in gelassener Wachsamkeit.

Quelle: op-online.de

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