29 Prozent Rentenplus

Kommentar: Auf den Arm genommen

Na, wenn das keine gute Nachricht ist. Aus dem neuen Rentenversicherungsbericht, den das Bundeskabinett heute beschließen will, geht nämlich hervor, dass bei weiter positiver Wirtschaftsentwicklung die Renten bis zum Jahr 2024 um rund 29 Prozent steigen können. Von Siegfried J. Michel

Dies also würde nach den „Modellrechnungen“ des Bundesarbeitsministeriums bedeuten, dass die Renten jährlich um durchschnittlich 1,9 Prozent klettern. Schmerzlindernde Salbe also für das wichtige Wählerreservoir von rund 20 Millionen Rentnern.

Allerdings ist es schlicht unseriös mit derartigen Zahlen in der Öffentlichkeit zu operieren. Wer in dieser Bundesregierung meint, Voraussagen in diesem wichtigen Bereich für die nächsten 14 Jahre auch nur ansatzweise treffen zu können, verkauft alle seine Wähler - und damit auch die Rentner - für strohdumm.

Jüngst erst haben Experten davor gewarnt, dass es mit dem derzeitigen Wirtschaftsaufschwung bald wieder vorbei sein dürfte, weil in vielen Staaten die Not- und Förderprogramme auslaufen und im Nachklapp auf die Sparbremse gedrückt wird. Zudem zeigt der Fall Irland, dass die Schuldenkrise in Euroland mit all seinen möglichen wirtschaftlichen Folgen noch lange nicht vorbei ist.

Auf den Arm genommen werden sich die Rentner sicherlich fühlen, wenn sie mit Blick auf die schönen Zahlen aus Berlin einen Blick zurück machen, also den „Realitäts-Check“. Das sieht dann so aus: In der vergangenen Woche hieß es, 2011 dürften die Rentner eventuell ein Plus von einem Prozent erwarten. Wie sah es davor aus? In diesem Jahr gab es keine Rentenerhöhung, 2009 - natürlich ganz zufällig vor der Bundestagswahl - waren es satte 2,4 Prozent im Westen. Die weiteren Werte für die Ruheständler in den alten Ländern: 2008 - 1,1 Prozent, 2007 - 0,54 Prozent, Nullrunden gab es in den Jahren 2006, 2005 und 2004, 2003 lag das Plus bei 1,04, 2002 bei 2,16 und 2001 bei 1,9 Prozent.

Wie man allein schon vor dem Hintergrund dieser Zahlen auf durchschnittlich knapp zwei Prozent in den nächsten Jahren kommen kann, bleibt wohl ein Geheimnis des schwarz-gelben Orakels in Berlin.

Quelle: op-online.de

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