Kommentar: Geplatzte Seifenblase

So wirklich überraschend kam das nicht: Die Welt spart – und Deutschland rutscht in die Flaute. Von Martin Prem

Ein Land, das seine eigene Prosperität auf Gedeih und Verderb daran gekettet hat, dass alle anderen ihm seine – zweifellos guten und günstigen – Waren abnehmen, kann sich dem Sog einer Weltwirtschaft nicht entziehen, die sich auf einen dramatischen Abschwung vorbereitet.

Viele wichtige Abnehmer deutscher Produkte machen das, was Deutschland von ihnen seit Längerem fordert: Sie beginnen ihre gewaltigen Außenwirtschaftsdefizite zurückzufahren – und damit ihre Verschuldung bei den Exporteuren. Kurios daran ist allenfalls, dass Deutschland, das davon mit am stärksten betroffene Industrieland, darauf nicht im Geringsten vorbereitet ist. Kein Verantwortlicher kam auf die Idee, dass die – kritisierten – Schulden der anderen die unvermeidbare Kehrseite unserer – hochgelobten – Exportüberschüsse sind. Ökonomen und Wirtschaftpolitiker waren einfach nur fasziniert von der Seifenblase, über deren Platzen sie nun erschrecken.

Endlich springt auch der Binnenkonsum an, freuten sich viele angesichts der besseren Wachstumsraten des ersten Quartals. Das war Wunschdenken. Denn eine belastbare Datenbasis für diese Interpretation präsentierte keiner. Angesichts rückläufiger Reallöhne wäre diese Entwicklung auch ein Wunder gewesen. Die Leistungsträger in Deutschland sind heute ärmer als vor 20 Jahren. Sie haben auf Wohlstand verzichtet, um die Exportwirtschaft zu stärken. Ein nachhaltiges Erfolgsmodell sieht anders aus.

Quelle: op-online.de

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