Graf trotz Täuschung im Amt bestätigt

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Florian Graf hat bei seiner Doktorarbeit getätuscht. Kein Grund für seine Kollegen, ihn aus seinem Amt zu wählen.

Berlin - Ob dieses Votum den Glauben in die Politik stärken wird? Florian Graf ist trotz Täuschung bei seiner Dissertation von der CDU-Fraktion in Berlin im Amt bestätigt worden.

Trotz einer Plagiatsaffäre bleibt der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf im Amt. Die Fraktion sprach ihm am Donnerstag mit 88 Prozent das Vertrauen aus. Der 38-jährige Verwaltungswirt, der die Fraktion erst seit fünf Monaten führt, hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, bei seiner Dissertation getäuscht zu haben. Die Universität Potsdam erkannte ihm deshalb am Mittwoch den Doktortitel ab.

Von 34 anwesenden Abgeordneten votierten in einer Sondersitzung der Fraktion in geheimer Abstimmung 30 für den Verbleib von Graf. Drei stimmten dagegen, es gab eine Enthaltung. Zudem hatten nach Angaben eines Fraktionssprechers zwei Parlamentarier, die fehlten, in einer schriftlichen Erklärung ihre Unterstützung für Graf erklärt.

Graf zeigte sich anschließend “außerordentlich dankbar“ über das eindeutige Votum, das “keine Selbstverständlichkeit“ sei. Er habe Fehler gemacht und daraus die Konsequenzen gezogen. Der Fraktionschef äußerte sich zuversichtlich, “verloren gegangenes Vertrauen“ durch gute inhaltliche Arbeit wieder zurückgewinnen zu können.

Ein ehrliches Ergebnis

Der stellvertretende Regierungschef in der seit Dezember bestehenden rot-schwarzen Koalition und Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einem “ehrlichen Ergebnis“ der Abstimmung. Er gehe davon aus, dass Graf dadurch die Glaubwürdigkeit hat, die für die weitere Arbeit notwendig sei. Für die Fraktion und für ihn sei die Angelegenheit nun erledigt.

Graf hatte am Freitag bei der Universität Potsdam die Rückgabe seines Doktortitels beantragt. Er begründete den Schritt damit, dass er in seiner Dissertation “wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet“ habe. Die Universität sprach dagegen von einem Plagiatsverdacht.

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Am Wochenende gab der Politiker dann in einer an die Universität Potsdam adressierten Erklärung eine “Täuschungshandlung“ beim Verfassen seiner Dissertation zu. Er habe im Theorieteil seiner Arbeit auf sieben Seiten abgeschrieben und sich damit “fremdes Wissen zu eigen gemacht, ohne die Autoren zu nennen“.

Graf trat 1995 in die CDU ein und gehört dem Abgeordnetenhaus seit 2006 an. Zunächst war er Parlamentarischer Geschäftsführer. Anfang Dezember 2011 wurde er dann zum Nachfolger von Fraktionschef Henkel gewählt, der in den Senat wechselte.

dapd

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