Röttgen kandidiert in NRW

Kommentar: Hohes Risiko

Gut eine Woche hat er gezögert, seit gestern ist klar: Bundesumweltminister Norbert Röttgen lässt sich auf eine Kampfkandidatur um den Chefposten des CDU-Landesverbands ein. Von Detlef Burrichter

Röttgen riskiert viel. Gegenkandidat Armin Laschet hat bereits einen zeitlichen Vorsprung. Er hat mit Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann und Generalsekretär Andreas Krautscheid wichtige Fürsprecher im Land. Er macht seit Tagen Stimmung gegen den Bundesumweltminister im scheinbar so fernen Berlin.

Scheitert der ehrgeizige Röttgen mit seiner Bewerbung, droht dem smarten Rheinländer ein Karriereknick. Gewinnt er allerdings die Auseinandersetzung, stehen ihm alle Türen offen - möglicherweise eines Tages bis ins Kanzleramt. Und das ist ihm dieses Risiko offenkundig wert.

Das Rennen um die Rüttgers-Nachfolge ist völlig offen. Für keinen Kandidaten zeichnet sich eine klare Mehrheit ab.

Zunächst einmal ist lediglich Laschets Überrumplungsplan gescheitert. Die frühe Bekanntgabe der eigenen Kandidatur hat Röttgen nicht verschreckt. Eher im Gegenteil: Der Bundesumweltminister kann jetzt die Gelegenheit zur Attacke auf die Gegenspieler nutzen. Nicht anders ist der gestrige Bewerbungsbrief an die Basis zu verstehen, in dem Laschet, Laumann und Krautscheid als Kungelrunde von NRW-Wahlverlierern dargestellt werden. Dieser Eindruck soll Röttgen, dem erfolgsverwöhnten Außenstehenden, nun bei der bevorstehenden Mitgliederbefragung helfen.

Der Union in Nordrhein-Westfalen stehen schwere Wochen bevor: Die Suche nach dem neuen Parteichef wird eine zähe Auseinandersetzung, bei der es am Ende sehr wahrscheinlich Verlierer gibt. Das würde jede Partei schwächen - die NRW-CDU nach ihrem Wahl-Debakel ganz besonders.

Quelle: op-online.de

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