Ihm weht schon ein Shitstorm entgegen

Irans Ayatollah jetzt auch bei Facebook

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Die Facebook-Seite von Irans Ayatollah Ali Khamenei.

Teheran - Nun hat auch Irans Ayatollah eine Facebook-Seite. Obwohl das soziale Netzwerk im Land gesperrt ist! Die Seite des politischen und religiösen Führers könnte genutzt werden, um Regimegegner zu verfolgen.

Am 13. Dezember startete Ayatollah Ali Khamenei laut dem US-Nachrichtensender Fox News die Facebook-Seite Khamenei.ir. Seitdem teilt er mit seinen Facebook-Freunden neben Ansprachen auch Youtube-Videos oder Instagram-Fotos. Am Mittwoch hatte die Seite bereits über 15.000 "Gefällt mir"-Angaben.

Was zunächst ein wenig verwundert: Denn soziale Netzwerke und Dienste wie Facebook, Twitter und YouTube sind im Iran gesperrt. Die Behörden begründen dies damit, dass westliche Blogger und Regierungen sie gegen ihr Land einsetzen würden.

Trotzdem verschaffen sich viele Iraner laut Zugang zu diesen Seiten. Unter anderem setzen sie Proxy-Programme ein. Damit kann ein Nutzer vorgaukeln, aus einem anderen Land zu stammen, und so den Filter umgehen. Mehr als 20 Millionen Iraner sollen mithilfe solcher Programme mittlerweile über ein Facebook-Konto verfügen.

Derzeit weht dem Ayatollah laut Fox News auf seiner Facebook-Seite ein massiver Shitstorm entgegen. Offenbar haben etliche unzufriedene Iraner die Seite "geliket", damit sie ihren Unmut per Facebook direkt an Khamenei weitergeben können.

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Unter anderem schrieb ein Iraner: "Ich hoffe, dass einer Deiner geliebten Angehörigen durch die Hand dieses brutalen Regimes stirbt. Dann wirst Du auf unserer Seite sein und dieses Regime verfluchen."

Bei solchen unfreundlichen Kommentaren sind in der Regel schnell Anhänger des Ayatollah zur Stelle, die die Oppositionellen ihrerseits "bashen", also im Netz beschimpfen. 

Hinter der Facebook-Seite des Ayatollahs könnte auch ein ziemlich perfider Plan stecken: Die iranische Regierung könnte die Seite nutzen, um gezielt Regimegegner ausfindig zu machen - indem diese etwa den Ayatollah auf dessen Profil angehen oder sich auf eigenen Bildern verdächtig machen.

"Wenn die Cyber-Polizei im Iran etwa ein Mädchen sieht, das auf einem Profilbild keinen Schleier trägt oder eine regierungskritische Botschaft liest, dann kann sie gegen diese Leute vorgehen", erklärt Roozbeh Farahanipour, die Gründerin der oppositionellen Auslandsorganisation "Iraner für einen säkularen Iran", gegenüber Fox News. Sie betont das Ungleichgewicht im persischen Machtkampf: "Wir kämpfen mit Worten. Aber sie bekämpfen uns mit Kugeln und Guillotinen."

fro

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