Vor 21 Jahren fiel die Berliner Mauer

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Die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989. Heute sind nur noch ganz vereinzelt Teile davon als Denkmal erhalten.

Berlin - In Berlin ist am Dienstag an den Mauerfall vor 21 Jahren erinnert worden. Am 9. November 1989 hatten DDR-Grenzposten um 21.20 Uhr den Weg nach West-Berlin uneingeschränkt freigeben müssen. 

Der Regierende Bürgermeister der Stadt, Klaus Wowereit (SPD), übergab am Mittag vor dem ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße in Pankow den “Platz des 9. November 1989“. Eingeleitet wurde der Gedenktag mit einem Posaunenruf an der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße. Dort legten Bürgerrechtler und Vertreter von Opferverbänden im Beisein von Wowereit Rosen nieder. In der Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Todesstreifen wurde bei einer Andacht der Maueropfer gedacht. Vor 21 Jahren war die Berliner Mauer, die die Metropole 28 Jahre lang geteilt hatte, unter dem Druck friedlicher Demonstranten gefallen.

Der Vorsitzende des Vereins zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur, Ehrhart Neubert, warnte davor, die Mauer zu verharmlosen. Deshalb dürften andere Mauern auf der Welt wie die israelische Sperranlage zum Westjordanland oder die befestigte Grenze zwischen den USA und Mexiko nicht mit der Berliner Mauer gleichgesetzt werden. Immerhin sei es hierzulande darum gegangen, “ein Volk einzusperren“.

dapd

Der Vereinschef mahnte zudem, am 9. November müsse auch die Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938 wach gehalten werden. Auf dem neuen “Platz des 9. November 1989“ erinnern Informationstafeln und großformatige Fotos aus der Nacht des Mauerfalls an die historischen Stunden. Begrenzt wird der Platz von einer original erhaltenen Hinterlandmauer. Der Entwurf für die Fläche stammt vom Berliner Büro Sinai. “Hier brachen 1989 im Wortsinn alle Dämme“, sagte Wowereit. In dieser Nacht hätten nicht die Mächtigen, sondern ganz normale Menschen aus Ost-Berlin und “solche, die im Geist ihre Uniform ablegten und besonnen agierten“, Weltgeschichte geschrieben, fügte Berlins Regierungschef hinzu. Wowereit nannte das Ereignis “ein Drama von weltgeschichtlichem Ausmaß“. “Es waren Szenen zwischen Hoffen und Bangen; die überforderten Grenzer ließen zunächst die Schlagbäume unten. Die, die doch rauskamen wurden mit Stempeln kalt ausgebürgert - ein letzter Betrug der DDR an ihren Einwohnern.“

Diese Menschen seien im Westen weinend zusammen gebrochen, als sie merkten, dass sie nicht mehr zurück dürfen. Letztlich aber habe die Geschichte der deutschen Teilung an dieser Stelle ihr Happy End gefunden. Wowereit würdigte zugleich die DDR-Bürgerrechtler, deren Wirken den Mauerfall vorbereitet hätte. Darüber hinaus sei es auch nach 21 Jahren “gut und notwendig“, der Opfer zu gedenken, die es seit 1961 an diesem Abschnitt der Mauer gab. Der Vorstand der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, sprach vom einem “Abend der erfolgreichen Selbstbefreiung der Menschen“ im Osten.

Eppelmann, der selbst zu den ersten Grenzgängern an dieser Stelle gehörte hatte, erinnerte daran, dass am 9. November die DDR-Grenzpolizisten erstmals unbewaffnet waren und damit eine völlig andere körperliche Haltung an den Tag gelegt hätten. Aus Machtgehabe wurde schlicht Überforderung, sagte Eppelmann. Dass der Abend unblutig verlief, sei jedoch Verdienst der Bürger gewesen. Allein ihre nachdrücklichen Forderungen hätten zur Grenzöffnung geführt. “Wenn wir uns so verhalten hätten, wie immer - flüsternd, vor dem Fernseher abwartend, zwischen Ost- und West-Programm hin- und her schaltend - wäre nüscht passiert.“ Der Grenzübergang an der Bornholmer Straße/Bösebrücke war der nördlichste von insgesamt sieben Grenzübergängen in Berlin. Am Abend des 9. November 1989 versammelten sich Hunderte Berliner vor dem Gelände und forderten nach entsprechenden Fernsehberichten über neue Reiseregelungen die sofortige Öffnung. Um 21.20 Uhr mussten DDR-Grenzer den Weg nach West-Berlin erstmals freigeben. Um 23.30 Uhr wurde der Schlagbaum endgültig geöffnet.

dapd

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