Kommentar: Kandidat der Peinlichkeiten

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Frank Pröse.

Stellen Sie sich vor, Sie stellen sich in Ihrem Verein der Wahl zum Vorsitzenden und machen der Hälfte der Mitglieder klar, dass diese nicht mit Ihrer Unterstützung rechnen können. Sie dürften sich glücklich schätzen, wenn Sie als Schriftführer Verwendung fänden.

Ähnliches dürfte US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney passieren. Denn nun kann er nicht mehr wählbar sein - selbst für die Amerikaner nicht, die immer noch glauben, sie lebten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und jeder sei seines Glückes Schmied. Dass ihr Kandidat nahezu die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung schmäht und im erlesenen Kreis seiner Sponsoren herausposaunt, diesen parasitären Verlierern als Präsident nicht helfen zu wollen - geschenkt. So denkt die Mehrheit von Romneys Anhänger. Dass ihr Hoffnungsträger aber so einfältig ist, sich quasi selbst eine solche Imagefalle zu stellen, dass er darüber hinaus nicht in der Lage ist, diplomatisch auf außenpolitische Geschehnisse zu reagieren, das schmerzt auch jene sehr, die sich zur besseren Hälfte der Bevölkerung zählen.

Derjenige, der die Mittel- und Oberschicht vor dem Sozialismus und allerlei moderner Errungenschaften der Gesellschaft beschützen soll, ausgerechnet der zeigt sich dieser Aufgabe nicht gewachsen, noch ehe er in Amt und Würden ist. Der Mann ist sozusagen eine einzige Enttäuschung. Jetzt hat er auch noch quasi nebenbei eingestanden, dass etwa die Hälfte der Nation Opfer jenes Wirtschaftssystems ist, das Romney geradezu anbetet, dem er aber zugleich rotzfrech Steuern vorenthält. Und solch ein Krimineller aus dem amerikanischen Geldadel beschimpft Obamas Wähler bei einem 50 000-Dollar-pro-Kopf-Spendendinner als Schmarotzer, wobei er sich auch noch in der Dimension verhaspelt, da realiter nicht 47 sondern 18 Prozent der Amerikaner aufgrund ihrer geringen Einkommen keine Steuern und Sozialabgaben zahlen (müssen). Es ist einfach widerlich.

Quelle: op-online.de

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