Kommentar: Kapitalismus am Pranger

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Frank Proese

Ob die Banker, Manager und Politiker in Davos wohl mal kurz die Welt retten? Skepsis ist angebracht angesichts der dürftigen Resultate, die das mehrtägige Treffen im Schweizer Nobelort in der Regel hervorbringt. Von Frank Pröse

Wenn im Vorfeld schon zur Nachricht avanciert, dass Rolling Stone Mick Jagger seine Teilnahme abgesagt hat, na dann möchten wir in allen Einzelheiten nicht wirklich wissen, wer sein Promi-Netzwerk pflegen, vielleicht gar neu knüpfen will. Wenn Gastgeber Klaus Schwab, der Präsident des Weltwirtschaftsforums in den Schweizer Bergen, als Vorgabe auch noch den Kapitalismus für gescheitert erklärt, dann kann diesem Urteil angesichts der anhaltenden Finanzkrise nur zugestimmt werden. Zugleich stellt sich freilich die Fragen nach den Alternativen zur außer Rand und Band geratenen Marktwirtschaft. Und da herrscht Funkstille.

Es würde schon verwundern, wenn das Palaver der Großen und Wichtigen in den Tagungssälen über Belanglosigkeiten hinausginge. So läuft es doch schon seit 2008, als zu Beginn der Krise mit milliardenschweren Rettungsaktionen für Banken dem angelsächsisch geprägten Raubtierkapitalismus vollmundig der Krieg erklärt und die Suche nach einer besseren Welt propagiert wurden. Eben diese Themen stehen auch diesmal - befördert von der Bewegung Occupy Wall Street - auf der Agenda. Aktuell aber scheint das Päckchen mit den immer neuen Strategien zur Rettung des Euro zusätzlich überfrachtet. Schließlich: In welche Richtung soll es gehen, nachdem der Sozialismus ja wohl nicht infrage kommt? Kann Wachstum als Ziel geopfert oder muss es nur zwingend nachhaltig ausgerichtet sein? Und sind die Länder in der Krise überhaupt in der Lage, sich solchen Themen zu stellen? Oder spielen Unternehmen eine Schlüsselrolle, wie gestern behauptet? Unternehmen würden nicht nur an finanziellen Kennzahlen gemessen, heißt es. 73 Prozent der befragten Führungskräfte glaubten, dass ihre Geschäftsaktivitäten einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten. Das funktioniert freilich nicht mit auf kurzfristigen Erfolg ausgerichteter Planung und einem Renditeziel von 20 Prozent. Das aber ist der Alltag jenseits der Dampfplauderei.

Quelle: op-online.de

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