Zusatzleistungen bei Ärzten sollen beschränkt werden

Kassen sagen „Igel-Plage“ den Kampf an

Offenbach (psh) ‐ „Igel“ - so die Abkürzung für „Individuelle Gesundheitsleistungen“ - kommen wieder ins Gerede. Manche sprechen schon von einer „Plage“: Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Ärzte daran hindern, den Versicherten immer mehr dieser Leistungen anzubieten, die diese selbst bezahlen müssen.

Gernot Kiefer, Vorstand im Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, sagte: „Bei ,Igel’ geht es vorrangig um Umsatz und Gewinn der Ärzte und nicht um medizinische Hilfe für Kranke.“ Die Angebote seien mehrheitlich nutzlos und damit überflüssig. „Es widerspricht dem ärztlichen Ethos, kranken Menschen fragwürdige Leistungen unterzujubeln“, wird er zitiert. „Wir müssen dem einen Riegel vorschieben.“ Die häufigsten Leistungen sind demnach das Glaukom-Screening auf Grünen Star. Der Umsatz der Ärzte mit ,Igel’-Angeboten sei in den letzten Jahren um rund 50 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich gestiegen, heißt es.

Der „Therapievorschlag“ der gesetzlichen Krankenkassen: Patienten sollen „Igel“ erst nach einer 24-stündigen „Einwilligungssperrfrist“ annehmen dürfen. Nur in den Fällen, wo der Patient ausdrücklich nach entsprechende Angeboten fragt, soll die Frist nicht gelten. Außerdem sollte ein schriftlicher Behandlungsvertrag vorliegen, wobei der Arzt vorher über Vor- und Nachteile sowie Alternativen aufklären muss. Die Änderungen sollen nach den Vorstellungen des Kassenverbands in dem von der schwarz-gelben Koalition geplanten Gesetz zur Stärkung der Patientenrechte aufgenommen werden.

Widerspruch kommt vom hessischen Ärztekammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. „Mit seiner Kritik an ,Igel‘ bewegt sich Kiefer auf dünnem Eis“, erklärte er. Tatsächlich habe erst die Rationierungswut der Krankenkassen den Weg für die Extra-Angebote bereitet; da der Leistungskatalog der Kassen immer schmäler werde, sei es nur folgerichtig, wenn Ärzte mehr anböten, als das, was die Krankenkassen heute noch bezahlen. Als Richtschnur für Ärzte nennt von Knoblauch zu Hatzbach die Berufsordnung und weitere vertragsärztliche Rechtsnormen: „In dem besonderen Arzt-Patienten-Verhältnis sind Transparenz und Offenheit entscheidend. Die Kritik der gesetzlichen Krankenkassen zielt deshalb ins Leere.“

Kommentar und

Hintergrund Seite 2

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare