Terrorabwehr

Kommentar: Kein Preis zu hoch

Wir wissen, dass wir nichts wissen: Ließe sich die Allgegenwart terroristischer Bedrohung allein im Rückzug auf eine Position philosophischen Gleichmuts ertragen, wäre der Kapitulation Tür und Tor geöffnet. Von Ulrich Kaiser

Soweit darf es nicht kommen, selbst wenn die Beschwörung beständiger Wachsamkeit nicht immer zu rundum befriedigenden Resultaten führt.

Die jüngste Attacke mit den Päckchen explosiven Inhalts zeigt, dass die Sicherheitsbehörden wohl auf der Hut sind, aber nicht immer so konsequent reagieren, wie es wünschenswert wäre. Dass der Flieger nach der Zwischenlandung in Köln-Bonn abheben konnte, obgleich schon erste Hinweise auf brisantes Frachtgut vorlagen, zählt eher nicht zu den Glanzstücken einer umfassenden Terrorabwehr - mag sie sich beim Aufspüren auch Meriten verdient haben.

Mehr noch: Fast unglaublich scheint, wie nachlässig seither offenbar Kontrollen der Luftfracht gehandhabt wurden. Da werden Passagiere aufs Gründlichste gefilzt, Nacktscanner mit großen Brimborium als unvermeidliches Übel eingeführt - doch was nützt dies alles, wenn Sprengstoff womöglich über die Ladeluke in den Flieger gelangt. Das Grauen lässt sich ausmalen, sollte die Bombe - ob im Passagierjet oder in der Frachtmaschine - etwa im Landeanflug ferngezündet werden.

„Die Luftfracht wurde bisher relativ wenig kontrolliert“, gesteht der Bundesinnenminister offen ein. Ein Armutszeugnis in diesen Zeiten. Als ob im Kampf gegen den Terror nicht jede Möglichkeit eines Anschlags in Betracht gezogen werden müsste. Koste es, was es wolle: Dass wirksamere Kontrollen einen erhöhten Personalaufwand und/oder teurere Technik erfordern, darf kein Preis sein, den Politik und Wirtschaft sich zu bezahlen scheuen.

Und es ist beileibe kein Trost, wenn Deutschland bei den nun vereitelten Anschlägen augenscheinlich nicht das Ziel der Terroristen war. Die Frage ist doch nur, wie lange noch.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare