SPD und die Grünen

Kommentar: Köche und Kellner

Es ist eines der seltenen Geschenke, das die sogenannte Regierungskoalition in Berlin zum morgigen Einjährigen in berechtigte Feierlaune bringen könnte: Endlich wird auch im gegnerischen Lager der Ton schärfer. Von Manfred Brackelmann

Nach Wochen und Monaten, in denen SPD und Grüne einander herzlich zugetan waren und nicht müde wurden, sich gegenseitig Mut zum gemeinsamen Kampf gegen Schwarz-Gelb zu machen, ist jetzt auf beiden Seiten Schluss mit lustig.

Anlass: Die Grünen, im Selbstverständnis einer einst deutlich stärkeren SPD nicht mehr als der geborene Junior-Partner, spielen mit den Muskeln ihrer Umfragewerte. Und lassen die Sozialdemokraten mit Blick auf gute Wahlchancen in Baden-Württemberg und Berlin im kommenden Jahr schon mal wissen, welche Rolle sie im Fall eines Wahlsieges für sich beanspruchen: die des Kochs und eben nicht mehr die des Kellners.

Das schmerzt bei den Sozis. Und während deren Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier es diplomatisch dabei belässt, die Werte der eigenen Partei herauszustellen, keilt SPD-Chef Sigmar Gabriel schon mal aus: Da wird ein „verkürztes Verständnis von Entwicklung und Fortschritt“ noch zum dezentesten Vorwurf an die allzu aufmüpfige Umweltpartei.

Ein schönes Dilemma – für zwei eigentliche Wunschpartner, die in dieser brisanten politischen Gefechtslage plötzlich zu Hauptgegnern werden. Und die im Ausfechten dieses Streits beide Federn lassen dürften.

Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vize Guido Westerwelle, ansonsten kaum mit messbaren Erfolgen gesegnet, dürften es mit Freude registrieren: Zank ist keine allein schwarz-gelbe Untugend!

Quelle: op-online.de

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