Alkohol bleibt Droge Nummer eins

Kommentar: Keine Aussicht auf Besserung

Eine Ohrfeige für die Drogenpolitik, oder für wen? Trotz immer ausgefeilteren Präventionsmaßnahmen und einem breit gefächerten Therapieangebot ist der Alkohol-Missbrauch offensichtlich nicht in den Griff zu bekommen. Von Frank Pröse

Jeder Deutsche trinkt im Schnitt 137 Liter alkoholische Getränke oder 9,6 Liter Reinalkohol pro Jahr. So viel schadet der Gesundheit, das weiß wohl jeder. Tolerabel sind maximal zehn Gramm Alkohol pro Tag bei Frauen und 20 Gramm bei Männern an höchsten fünf Tagen die Woche. Das entspricht einem halben bis ganzem Glas Wein. Den in Maßen-Trinkern noch die Abstinenzler zur Seite gestellt, so wird ersichtlich, wie viel die anderen trinken müssen, um den statistischen Schluckspecht-Durchschnitt zu erreichen.

Aber nicht nur die Vieltrinker setzen ihre Gesundheit aufs Spiel, in mehr als 70.000 Fällen pro Jahr mit tödlichem Ausgang. Schon bei regelmäßigem Konsum von quasi gesellschaftskonformen Mengen Alkohols drohen Organschädigungen, steigt das Risiko von Krebs- beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen beziehungsweise psychischen Verhaltensstörungen. Ist diese Suchtbilanz an sich schon verheerend genug, dürfen keinesfalls die volkswirtschaftlichen Kosten vergessen werden, die die Suchtexperten auf 27 Milliarden Euro taxieren. Unterm Strich hat sich nicht viel verändert im Vergleich zu den Vorjahren.

Immerhin: Der Konsum der Droge, die so leicht für Entspannung sorgt, hat nicht zugenommen, obwohl mit einer Milliarde Euro wieder mehr Geld investiert wurden, um über die Werbung den Verbrauchern ein „wirklichkeitsfernes Image“ von Alkohol vorzugaukeln, wie die Sucht-Experten kritisieren. Eine Regulierung der Werbung gehört deshalb ebenso zu ihrem wissenschaftlich sogar auf EU-Ebene untermauerten Forderungskatalog, wie Preisanhebungen durch Steuererhöhungen, zeitliche Begrenzung des Verkaufs, mehr Alko-Tests im Verkehr und letztlich Maßnahmen zur Früherkennung und Frühinterventionen in der Gesundheitsversorgung.

Die zumeist repressiven Maßnahmen mögen konsequent ein- und durchgesetzt erfolgreich sein. Allein es fehlt der Glaube, dass sie immer mit ausreichend Geld unterfüttert sind.

Denn Prävention ist teuer, ebenso die Suchthilfe. In den Beratungsstellen aber wird das Geld knapp, weil die öffentlichen Zuschüsse von den Finanzverantwortlichen in Kommunen und auf Länderebene immer öfter als freiwillige Leistungen verstanden werden, die bei anstehenden Streichorgien immer als erstes auf dem Prüfstand stehen. Die Versorgung Suchtkranker ist vielfach nicht das Problem, vielmehr die Umsetzung der Hilfen im System der sozialen Sicherung. Zu oft kommen sich die Sozialversicherungen in die Quere, überfordern damit Helfer und Suchtkranke. Die DHS fordert daher zum wiederholten Mal ein einheitliches Leistungsgesetz, das die Ansprüche und Finanzierung von Angeboten in der Suchthilfe regelt.

„Ein Gläschen in Ehren“ darauf, dass es damit wieder nichts wird.

Quelle: op-online.de

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