Auf Kohls Spuren

Kommentar zur Merkel und der Kanzlerkandidatur

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Angela Merkel

Eine Überraschung? Nein, überrascht ist wohl kaum einer, am wenigsten die eigenen Parteifreunde. Dass Angela Merkel die Kanzlerkandidatur 2017 schon fest im Blick hat, ist für CDU und CSU „alternativlos“. Von Angelika Dürbaum

Die erste Reihe der Union besteht schließlich einzig und allein aus der seit 2005 regierenden Merkel. Es fällt schon schwer zu sagen, wer die starken Leute in der zweiten Reihe sind. Da fallen dann Namen wie Horst Seehofer, Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen, Volker Kauder oder Thomas de Maziere. Doch keiner von ihnen hat die Popularität geschweige denn das politische Format, die Wählermassen zu binden.

Wenn Merkel die Wahl 2017 mit dann 63 Jahren für sich entscheidet (die aktuellen Umfragen lassen sogar eine absolute Mehrheit für die Union möglich erscheinen), wird es nur noch darum gehen, ob sie die ganze Legislaturperiode an der Macht bleibt. Immerhin hätte sie dann die Chance mit Helmut Kohl gleichzuziehen. Auch ihr ehemaliger Ziehvater saß 16 Jahre im Kanzleramt. Eine Perspektive, die die machtbewusste Merkel reizen wird. Kohls Vorbild sollte ihr allerdings auch eine Warnung sein. Die letzten Jahre seiner Regentschaft waren von Stillstand geprägt, die potentiellen Nachfolger in der Partei verschließen sich in Positionskämpfen, die Bürger sehnten den Wechsel herbei. Gerhard Schröder und Joschka Fischer nutzten die Zeit erfolgreich, um Rot-Grün endgültig regierungsfähig zu machen.

Dass Merkels Absichten gerade jetzt öffentlich werden, ist natürlich kein Zufall. Die SPD leckt ja noch die Wunden, die die in den eigenen Reihen entfachte Debatte, ob die Sozialdemokraten nicht mangels Erfolgsaussicht am besten ganz auf einen Kanzlerkandidaten verzichten sollten, geschlagen hat. Nachdem die Kanzlerin nun hat durchblicken lassen, dass sie auf die Rente mit 63 dankend verzichtet, wird es für potentielle Kandidaten noch schwerer.

Quelle: op-online.de

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