Arbeitgeber überziehen

Kommentar: Angriff auf den Acht-Stunden-Tag

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Die Arbeitgeberverbände stellen das Arbeitszeitgesetz infrage, plädieren für eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Begründung: Betriebliche Notwendigkeiten in der Digital-Ära. Damit hat der Industrie- und Handelskammertag das Sommerloch für sich entdeckt.

Denn wer als Arbeitgeber die bereits möglichen flexiblen Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit nicht zu nutzen versteht, dem gehört die Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter abgenommen. In der Regel reichen die Flexi-Strategien sowohl fürs Tages- als auch fürs Wochenpensum aus. Also drängt sich der Verdacht auf, dass die Arbeitgeber eine Erweiterung des Direktionsrechts anstreben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – wie vorgegeben – haben sie jedenfalls nicht im Sinn, eher eine Steigerung der Profite. Letzteres ist per se ja nicht verkehrt, sollte aber nicht angestrebt werden mit dem plumpen Versuch, Tarifpartner und Gesellschaft für dumm zu verkaufen. Es gibt Belastungsgrenzen. Ob sie für den Tag oder die Woche definiert werden, ist unerheblich. Die Vollzeitbeschäftigten hatten 2014 im Schnitt eine 42-Stunden-Woche. Diese Arbeitszeit lässt sich auf vielfältige Weise erreichen, flexibel eben. Mit etwas Phantasie und einer Prise Mobilität sind auch die Anforderungen einer 24-Stunden-Echtzeit-Digitalwelt zu bewältigen. Das Arbeitszeitgesetz ist auch dafür flexibel genug.

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Quelle: op-online.de

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