Ansturm auf Edelmetall

Kommentar: Angst macht Gold sexy

Weisheiten über die Welt der Wirtschaft gibt es mehr als genug. Eine der einprägsameren hat Alan Greenspan einmal formuliert: „Gold ist das Fieberthermometer der Finanzmärkte“, sagte der ehemalige Chef der US-Notenbank. Von Ralf Enders

Ob die Märkte beiderseits des Atlantiks im greenspanschen Sinne derzeit nur Fieber haben oder schon dem Tod auf der Schippe liegen, ist noch unklar. Denn keiner weiß, wie hoch der Goldpreis noch steigen wird.

Fakt ist: Die Schuldenkrisen einiger Euro-Länder und der USA treiben große und kleine Anleger weltweit zum Gold. Der Preis kennt seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Es ist Angst, die das Gold so sexy macht; Angst vor Inflation oder gar einer Kernschmelze des internationalen Finanzsystems. Der Pessimismus hat Tradition. In Krisenzeiten gilt Gold als letzte Rettung vor der Geldentwertung, weil es nur begrenzt vorhanden und somit zumindest wertstabil ist.

Was den Kleinanleger Hans Mustermann betrifft, ist die Psychologie dahinter durchaus sympathisch. Die physische Präsenz eines Goldbarrens im Schließfach oder unterm Kopfkissen ist von bestechender Einfachheit. Angesichts hochkomplizierter und für den Laien kaum durchschaubarer Finanzprodukte ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und: Einem 5000 Jahre alten Gut wird eben mehr Vertrauen geschenkt als dem Euro mit seinen läppischen neun Jahren auf dem Buckel.

Doch Vorsicht: Gold hat schon manchem die Sinne vernebelt, und wie jeder Goldrausch wird auch dieser irgendwann vorbei sein. Dann - nach der Krise - wird vielen wieder bewusst werden, dass Gold eine spekulative Sache ist, keine schnellen Gewinne oder Dividende abwirft. Immerhin: Barren und die meisten Münzen müssen in Deutschland weder beim Kauf noch beim Verkauf versteuert werden.

Quelle: op-online.de

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