Anklage im Fall Tugce

Kommentar: Es geht ans Eingemachte

Offenbach - Tugce, die mutige Studentin, hat offenbar ihren Einsatz für Schwächere mit dem Leben bezahlt. Wenn die Zeugenaussagen stimmen, dann hat sie sich beherzt zwischen Schlägertypen und wehrlose junge Mädchen gestellt und ist selber zum Opfer geworden. Von Peter Schulte-Holtey

Tugce, die mutige Studentin, hat offenbar ihren Einsatz für Schwächere mit dem Leben bezahlt. Wenn die Zeugenaussagen stimmen, dann hat sie sich beherzt zwischen Schlägertypen und wehrlose junge Mädchen gestellt und ist selber zum Opfer geworden. Der mutmaßliche Täter ist 18 Jahre alt, Serbe, sein Opfer kommt aus einer türkischen Familie. Jetzt wird der junge Mann vor Gericht gestellt, jetzt kommt endlich mehr Klarheit in diesen schrecklichen Fall, der nicht nur in Offenbach unzählige Menschen berührt. Noch immer trauern ja sehr viele um diese tapfere, lebensfrohe junge Frau aus dem Main-Kinzig-Kreis.

Es wird ein spannendes Verfahren, das steht fest. Und man sollte sich davor hüten, voreilig Schlüsse zu ziehen. Das Gericht wird die Zeugenaussagen genau prüfen, den Tathergang unter die Lupe nehmen. Von dem Anwalt der Familie, Macit Karaahmetoglu, kommt jetzt ein wichtiger Appell, der sehr ernst genommen werden sollte - der auch unterstreicht, das es im Fall Tugce nicht nur um Sühne und Strafe geht, sondern um Grundsätzliches; es geht ans Eingemachte. Der Jurist: „Wir sollten uns als Gesellschaft fragen, was wir anders machen müssen, damit solche Gewaltexzesse nicht mehr stattfinden. Wir müssen deutlich machen, dass unsere Gesellschaft Gewalt nicht toleriert. Hier sind die Gerichte gefragt, Sanktionen zu verhängen, die Täter frühzeitig in die Schranken weisen. Und wir müssen uns die Frage stellen, was gesellschaftlich schiefgelaufen ist, wenn ein junger Mann zu einer solchen Aggressivität und Gewaltbereitschaft neigt. Der mutmaßliche Täter wurde in Deutschland geboren und sozialisiert.“ Besser kann man es nicht beschreiben.

Quelle: op-online.de

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