Anschlag in Boston

Kommentar: Die Angst ist zurück

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Ralf Enders

Noch ist nicht klar, wer hinter dem Anschlag von Boston steckt. Einheimische Extremisten? Islamistische Terroristen? Ein verwirrter Einzeltäter? Viele Fragen, die die Ermittler besser lösen können als die hyperventilierende Netzgemeinde rund um den Globus. Von Ralf Enders

Fakt aber ist: Die Angst ist zurück in den USA. Elfeinhalb Jahre nach dem nationalen Trauma 9/11 haben die Bomben von Boston das zarte Gefühl der Sicherheit zerstört, das sich das Land gerade erst wieder mühsam selbst vermittelt hatte. Strikteste Kontrollen an den Flughäfen oder strengstens abgesicherte sportliche Großveranstaltungen zeugten in den vergangenen Jahren zwar nicht von Unverwundbarkeit, vermittelten den Amerikanern aber zumindest den Gedanken, 9/11 sei eine einmalige Barbarei gewesen, die mit entsprechenden Maßnahmen zu verhindern ist.

Symbolik ist nicht zu unterschätzen

Die Dimension des Bostoner Anschlags ist eine andere als in New York 2001, aber die Symbolik ist nicht zu unterschätzen: Die Stadt an der Ostküste ist wahrlich kein US-amerikanisches Niemandsland. Sie ist ein Zentrum von Wirtschaft, Wissenschaft, Finanzen und Kultur. Die legendäre Boston Tea Party 1773 war der Beginn des Aufstands gegen die britischen Kolonialherren - am Ende stand nicht weniger als die Gründung der USA. Der Patriot’s Day, an dem die Bomben explodierten, ist zudem ein Feiertag zur Erinnerung an Beginn des Unabhängigkeitskriegs. Dies alles ist tief drin in der amerikanischen Seele.

Wie gesagt: Noch ist unklar, wer die Bomben gezündet hat. Für die Folgen ist dies auch zweitrangig. Denn die Psyche der Supermacht ist erneut schwer angeknackst.

Quelle: op-online.de

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