Genauer hingucken

Kommentar: Armut in Hessen

Offenbach - Wer mit offenen Augen durch unsere Städte geht, kann ihr nicht entkommen. Die Armut vieler Menschen (das sind diejenigen, die weniger als 917 Euro im Monat zur Verfügung haben) wird an vielen Stellen sichtbar. Die Schere zwischen Vermögenden und Bedürftigen öffnet sich weiter. Von Peter Schulte-Holtey

Peter Schulte-Holtey

Deswegen ist es gut, dass die Diakonie in Hessen das Thema immer wieder aufgreift und den Finger in diese „gesellschaftliche Wunde“ legt. Wer genauer hinguckt, merkt schnell, dass Armut nicht nur eine Frage des Geldes ist, sondern auch eine des Zugangs zu Bildung, Freizeitangeboten und gesunder Ernährung. Vor allem sollte man sich davor hüten, Armut in diesen Zeiten der Flüchtlingskrise zu zerreden. Bundesweit leben ja etwa sieben Millionen Menschen, davon mehr als zwei Millionen Kinder, von Leistungen auf oder sogar unter dem Sozialhilfeniveau. Jugendliche unter 18 Jahren, Alleinerziehende und Migranten gehören zu den besonders Betroffenen. Notunterkünfte, Suppenküchen, Stationen der Bahnhofsmission haben viel zu tun.

Auch das Thema Altersarmut muss immer wieder in die politische Diskussion eingebracht werden. Am häufigsten arm sind ja alleinstehende Frauen. Einerseits werden Frauen älter, andererseits haben Baby- und Kindererziehungspausen Lücken in ihre Rentenvorsorge gerissen - sofern sie überhaupt wieder gearbeitet haben. Es bleibt ein hochpolitisches Thema, das auch dann angesprochen werden muss, wenn es manchen Politikern gerade nicht in den Kram passt: Deutschland ist ein reiches Land; trotzdem gibt es immer mehr Armut. Man sieht sie nicht, wenn man sie nicht sehen will.

Zukunftsforscher fordert neue Reichtums-Definition

Quelle: op-online.de

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