Atom-Abkommen mit dem Iran

Kommentar: Hoffnung kommt auf

Das Nuklearabkommen mit dem Iran verdient das Prädikat „historisch“ schon allein deswegen, weil Teheran und Washington erstmals seit dem Sturz des Schah vor über 34 Jahren wieder direkt miteinander sprechen. Von Lorenz von Stackelberg

Das Nuklearabkommen mit dem Iran verdient das Prädikat „historisch“ schon allein deswegen, weil Teheran und Washington erstmals seit dem Sturz des Schah vor über 34 Jahren wieder direkt miteinander sprechen. Angenommen, dem Mullah-Regime ist es wirklich ernst mit dem Verzicht auf Atomwaffen: Die Folgen für das Land selbst, die gesamte Nahostregion und den Weltfrieden wären kaum abzuschätzen.

Nicht nur, dass sich ein potenzieller Kriegsschauplatz in Luft auflösen würde. Ein von den Sanktionen befreiter Iran könnte dank seiner Erdölreserven ein wahres Wirtschaftswunder entfesseln und damit für inneren Frieden sorgen. Die Hardliner würden zurückgedrängt. Vor allen Dingen aber könnte Teheran die Paria-Ecke verlassen, als Mitspieler an den weltpolitischen Pokertisch zurückkehren und – friedlich – seinen Mitgestaltungsanspruch im Syrien-Konflikt oder beim Palästina-Problem verfolgen. Kein Wunder, dass Israel das Abkommen höchst kritisch sieht, ebenso wie die Saudis, die um ihre Stellung als Stabilitätsanker der USA fürchten. Für den Staat Iran jedenfalls würde sich der Verzicht auf das Drohpotenzial der Atombombe durchaus rechnen.

Doch zurück zur Gegenwart. Den Signalen aus Genf zufolge scheint Teheran bereit, im Gegenzug für die Anerkennung seines Anspruchs auf die friedliche Nutzung der Kernenergie beide Wege, die zur Atombombe führen, fürs erste nicht weiter zu beschreiten: Die Urananreicherung und die Produktion von Plutonium.

Bilder aus der Todeszone von Fukushima

Bilder aus der Todeszone von Fukushima

Beides lässt sich kontrollieren. Wie ernst es dem Iran damit ist, dürfte sich rasch zeigen. Da die schmerzhaftesten Sanktionen bis zum Abschluss eines endgültigen Abkommens in Kraft bleiben, wäre es jedenfalls unlogisch, würden die Mullahs zum Katz- und Maus-Spiel zurückkehren. Es ist an ihnen, eine brennende Lunte am Pulverfass Nahost auszutreten.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © WA

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare