Griechenland und die EU

Kommentar: Aufgeladene Stimmung

Man hätte den Griechen einen anderen Zeitpunkt an der Spitze der EU gewünscht. Einen Moment, in dem sie wieder stabil dastehen und ihr Land wieder herzeigen wollen und können. Von Detlef Drewes

Doch die Ratspräsidentschaft erfolgt nach strikten EU-Vorgaben und damit genau in einer Phase, in der alle Unzufriedenheit zu explodieren droht. Die Schüsse auf das Haus des deutschen Botschafters in Athen zeigen, wie aufgeladen die Stimmung ist, wie wenig die Bevölkerung in der Lage zu sein scheint, die Rettungsschirme als Zeichen europäischer Solidarität zu verstehen.

In dieser Situation braucht das Land seine Regierung und kann sie nicht mit der EU teilen. Der griechische Ministerpräsident muss mit ganzer Kraft an der ohnehin kaum lösbaren Aufgabe, den Staat umzubauen, zu sanieren und wieder auf Vordermann zu bringen, arbeiten können. Gleichzeitig wäre an der Spitze der Union ein Vorsitzender nötig, der die Gemeinschaft stark nach außen vertritt kann und diese nach innen durch die Phase der Neuwahlen, der Umbesetzungen in den wichtigsten Gremien steuert. Eine solche Herausforderung nennt man unter Bezug auf die griechische Mythologie eine Herkules-Aufgabe. Und selbst der Halbgott hatte seine liebe Mühe, damit klarzukommen.

Deshalb wirft dieser turnusmäßige Wechsel erneut ein schlechtes Licht auf diesen EU-Vorsitz, den niemand braucht und der keinen wirklich befriedigt. Stattdessen produziert die Position unsinnige Kosten - selbst wenn man, wie die Griechen dies planen, auf allen Firlefanz wie Gastgeschenke und ähnliches verzichtet. Die Gemeinschaft hat neue Jobs geschaffen, damit dieses wenig effiziente Ritual endlich beendet wird. Aber dann siegte doch wieder die Lust an der nationalen Selbstdarstellung. Oder glaubt man in Athen tatsächlich, dass sich potenzielle Touristen für einen Urlaub auf Kreta, Korfu oder Rhodos überzeugen lassen, nur weil ein eigener Minister die Sitzungen des Umwelt-Ministerrates leitet? Die EU muss sparen, sie kann sparen. Die wechselnden Ratspräsidentschaften gehören abgeschafft.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Michael Hof

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