Das Wasser abgraben

Kommentar zu den Ausschreitungen in Sachsen

Offenbach - Wut und Fassungslosigkeit machen sich breit angesichts der Bilder aus Heidenau. Polizisten seien „anhaltend massiv mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und Baustellenmaterialien“ attackiert worden, heißt es bei den Behörden nach den rechtsextremen Ausschreitungen vom Wochenende.

Mit dabei waren auch Bürger des Städtchens bei Dresden, die sich zumindest mit Sympathiebekunden für den rechten Mob nicht zurückhielten. Heidenau reiht sich nun in die lange Liste von Orten ein, deren Name untrennbar mit ausländerfeindlichen Krawallen verbunden ist. Vize-Bundeskanzler Sigmar Gabriel (SPD) machte seiner Wut über die Ereignisse Luft, als er sagte, die Politik dürfe nicht immer nur „nach dem Aufstand der Anständigen rufen“, gefordert sei auch der Anstand der Zuständigen. Weniger verklausuliert werden viele Bundesbürger das Gleiche sagen: Warum schweigt die Kanzlerin so beharrlich? Ein klare Aussage, wie sie gedenkt, mit der vielleicht größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg umzugehen, könnte die Lage in vielen Orten entspannen, Ängste nehmen.

60 Prozent der Deutschen sind laut jüngstem ZDF-Politbarometer der Meinung, dass die Bundesrepublik die große Zahl von ankommenden Flüchtlingen verkraften kann. Das waren sogar mehr als im Vormonat Juli, als 54 Prozent diese Ansicht vertraten. Sie erkennen an, dass der weitaus größte Teil der Flüchtlinge Hilfe braucht nach schrecklichen Erlebnissen mit Krieg und Terror. Das ist das Pfund, mit dem die politisch Zuständigen wuchern können, mit dem sie rechten Bauernfängern das Wasser abgraben können. Noch ist die innere Sicherheit nicht in Gefahr, die Republik im Gleichgewicht. Wie schnell es aber an Brennpunkten umschlagen kann, hat Heidenau wieder gezeigt.

Quelle: op-online.de

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