Kommentar zu Behandlungsfehlern von Ärzten

Kein Grund zur Skandalisierung

Ärzte sind auch nur Menschen – und eben nicht die immer wieder gern zitierten „Götter in Weiß“. Und Menschen unterlaufen Fehler. Von Hans Willms

Die aktuelle Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern ist daher wenig geeignet, einen ganzen Berufsstand pauschal zu verurteilen oder gar in Sippenhaft zu nehmen.

2287 offiziell registrierte fehlerhafte Behandlungen oder falsche Diagnosen und 99 Todesopfer mögen auf den ersten Blick erschrecken. Zur Skandalisierung taugen diese Zahlen nicht. Denn in Relation zu den tatsächlichen Patientenkontakten ist die Zahl verschwindend gering. Allein in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres registrierten die Hausärzte in Deutschland rund 45 Millionen, die Krankenhäuser etwa 16 Millionen Behandlungsfälle.

Keine Frage: Jeder Fehler ist einer zu viel. Und wenn Ärzten ein besonders schwerer Fehler passiert, ist er häufig unumkehrbar und kann böse Konsequenzen haben. Jeder Patient muss sich aber auch im Klaren darüber sein, dass es ein gewisses Restrisiko immer geben wird.

Wichtiger als die reinen Zahlen der aktuellen Statistik ist daher die Erkenntnis, dass Patienten und ihre Angehörigen nicht mehr grundsätzlich gegen Wände laufen, wenn sie einen Fehler ihres Arztes vermuten. Ob Gutachterkommission und Schlichtungsstellen der Ärztekammern, Beschwerdestellen in Krankenhäusern, Ansprechpartner bei Krankenkassen oder demnächst das neue Patientenrechtegesetz – längst ist der Patient nicht mehr nur der ahnungslose und dem Arzt bedingungslos vertrauende Kranke, sondern ein selbstbewusster und kritischer Bürger. Eine gute Entwicklung.

Quelle: op-online.de

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