Bericht der Troika

Kommentar: Perspektive gesucht

Die wichtigste Botschaft lautet: Griechenlands Reformen beginnen zu wirken. Das ist zugegebenermaßen eine sehr oberflächliche Zusammenfassung dieses mehrfach verschobenen Berichtes der Troika.

Aber es bedeutet das entscheidende politische Signal - nicht für die Geldgeber, die trotzdem eine nächste Rate über 31,5 Milliarden Euro überweisen müssen.

Nein, der eigentliche Adressat dieses Urteils der Finanzfachleute sind die Griechen selbst. Jetzt waren ein paar Streicheleinheiten wichtig, musste man den Hellenen das Gefühl dafür geben, dass diese Opfer nicht vergebens sein werden, sondern tatsächlich etwas in Bewegung kommt. Ansonsten hätten die Geberstaaten weit mehr riskiert, als die finanzpolitische Pleite des Landes. Der ohnehin schwindende Konsens in die Sinnhaftigkeit der verordneten und von der Regierung Samaras exekutierten Maßnahmen wäre dahin gewesen. Der angestaute soziale Zündstoff wäre explodiert. Das kann und das darf die Europäische Union sich nicht leisten.

Tatsächlich aber zeigt der Troika-Bericht, dass die kühnen Hoffnungen der Geldgeber auf eine wenigstens mittelfristige Heranführung Athens an den Finanzmarkt utopisch sind. Griechenland ist weiter von dem magischen 120-Prozent-Ziel bei der Staatsverschuldung entfernt als prognostiziert. Das Land wird noch auf Jahre hinaus ein Sorgenkind der Währungsunion bleiben.

Was nun gebraucht wird, ist eine Wiederaufbau-Perspektive, damit sich wenigstens mittelfristig wieder spürbare Besserung bei Löhnen und Sozialleistungen einstellt. Dieses Gefühl, dass die Lage zwar schwer, aber eben nicht hoffnungslos ist, erscheint ebenso wichtig und nötig wie gute finanzpolitische Eckdaten. Europa wird deshalb noch mehr tun müssen. Ja, die Solidarität der Hilfspakete ist viel wert, aber sie macht nicht satt und mit ihr kann man keine Mieten bezahlen. Dazu bedarf es der Maßnahmen, die auch längst beschlossen sind, aber immer noch in den Schubladen liegen. Erst dann kann Athen vielleicht wieder aufatmen.

Quelle: op-online.de

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