EU erwägt Beschäftigungsgarantie

Kommentar: Ausgeburt der Weltfremdheit

Die Normung von Bananen und Gurken durch die EU sind ebenso legendär, wie Otto Graf Lambsdorffs Forderung nach einem EU-weiten Recht auf Sonnenschein am Sonntag. Von Frank Pröse

Das war Spaß, hatte aber seinen ernsten Hintergrund in der in Brüssel grassierenden Verordnungswut. Ganz Ernst hat die EU zuletzt mit dem Verbot der Glühbirne gemacht und damit die quecksilberhaltige Energiesparlampe zur Norm erhoben. Die Geschichte der EU ist eben auch die Geschichte von Erlassen, Verpflichtungen und Verboten.

Jetzt haben sie sich in Brüssel quasi ein Verbot der Jugendarbeitslosigkeit ausgedacht. Alle Mitgliedstaaten sollen verpflichtet werden, Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten eine Beschäftigung zu garantieren. Zur Eingewöhnung soll der Vorschlag zunächst nur in der rechtlich wenig bindenden Form der Empfehlung vorgelegt werden. Und Sanktionen sind ohnehin nicht vorgesehen. So viel Weltfremdheit ist nur in der EU-Kommission zu vermuten, deren Mitglieder dem wahren Leben entrückt sind und glauben, sie könnten Glatteis im Winter untersagen. Eine Garantie für einen Job, zumindest für einen Praktikumsplatz für jeden der 5,5 Millionen arbeitslosen jungen Menschen in der EU, das könnte den Hirnen im Zentralkomitee der SED entsprungen sein.

Ja, es ist Aufgabe der Politik, die Jugendarbeitslosigkeit gerade auch in den südeuropäischen Ländern zu senken. Aber das kann nicht darin münden, dass junge Leute einer Beschäftigung nachgehen, die außer als Nachweis für staatliche Alimentierung zu nichts taugt, weil eben keine Arbeit da ist, die sich ein Unternehmen leisten kann. Diese Art der Arbeitsbeschaffung nach Plan ist schon einmal vor zwei Jahrzehnten mitsamt dem System untergegangen. Daraus hätte man lernen können…

Quelle: op-online.de

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