Bezahlte Pflege-Auszeit

Kommentar: Zweiter Versuch

Der letzte Versuch dieser Art ging daneben. Kristina Schröder, glücklose CDU-Familienministerin in Merkels schwarz-gelber Regierung, hatte sich die Altenpflege auf die Fahnen geschrieben und eine Pflegeauszeit von sechs Monaten mit einer Art Zeitkonto erfunden. Von Monika Reuter

Die Nachfrage blieb überschaubar. Die meisten setzten lieber auf individuelle Regelungen mit ihrem Arbeitgeber. Jetzt geht Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) das Thema an. Die von ihm angekündigte bezahlte zehntägige Auszeit ist allerdings vernünftiger, da überschaubarer und pragmatischer als der vage Schröder-Vorstoß. Denn sie zielt auf den mittlerweile massenhaften Katastrophenfall, wenn ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird. Wer diese Situation erlebt hat – und das werden in den nächsten Jahrzehnten immer mehr sein – weiß, wie aufwändig es ist, das Leben des Betroffenen neu zu organisieren. Insbesondere wenn die Wohnorte von Familienmitgliedern, wie heute oft üblich, hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen.

Dass dafür jetzt eine Regelung, vergleichbar der eines erkrankten Kindes für berufstätige Eltern, geschaffen wird, ist nicht nur der demografischen Entwicklung geschuldet. Damit wird man auch der Situation gerecht, dass es die ersten Tage bei Eintritt eines solchen Notfalls eine familiäre Feuerwehrleistung braucht. Und mit der Lohnersatzleistung bekommt die Auszeit die notwendige finanzielle Unterfütterung, so dass wirklich jeder davon Gebrauch kann.

Quelle: op-online.de

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