Bilder-Schatz von München

Kommentar: Hitlers Kunsträuber

Der Sensationsfund in einer offenbar vermüllten Münchner Wohnung wirft ein Schlaglicht auf die bis heute nachwirkende destruktive Totalität des NS-Regimes. Die Nazis waren nicht nur Massenmörder und Menschenschinder, sondern - weniger bekannt - auch gierige Kunsträuber. Von Dirk Walter 

Geschätzt 21 000 Kunstwerke rafften die Kunsthäscher zusammen - für Hitlers abstruses „Führermuseum“ in Linz, im Auftrag des sammelwütigen Göring. Etliche NS-Satrapen gingen zudem privatim auf Raubzug.

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Der nun aufgeflogene Sonderling Gurlitt gibt Anlass zur Hoffnung, dass vieles, was man für verloren meinte, doch noch auftaucht. Das betrifft im Übrigen nicht nur die sogenannte entartete Kunst, also das Erbe der Expressionisten und Surrealisten. Sondern auch Klassiker, die selbst die Nazis verehrten. Um ein Beispiel zu nennen: Raffaels „Porträt eines jungen Mannes“ von 1515 hing bis 1945 in der Villa der NS-Größe Hans Frank am Schliersee – seitdem ist es verschollen. Für immer? Das darf man nun bezweifeln.

Freilich: Die Rückgabe der jetzt gefundenen Bilder an ihre rechtmäßigen Besitzer ist leichter zu fordern als einzulösen. Es ist ja keineswegs klar, in welchem Umfang sich Gurlitts Vater bereicherte - oder ob er manches Bild nicht rechtmäßig erworben hat. All das muss für jedes Bild einzeln geprüft werden. Gleichwohl erstaunt die Zaghaftigkeit bisheriger Bemühungen. Wenn es stimmt, dass sich eine Forscherin seit zwei Jahren mit der komplizierten Rückverfolgung von Eigentumsverhältnissen der 1 500 Gemälde abmüht, muss die Frage gestattet sein, ob die Behörden den Ernst der Lage erkannt haben. Auch im Interesse der Nachfahren einstiger Kunstbesitzer muss die Aufklärung beschleunigt werden.

Quelle: op-online.de

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