Privatsphäre hat Grenzen

Kommentar zum brisanten Raucher-Urteil

Friedhelm Adolfs hat erstaunliche Berühmtheit erlangt. Durch die gerichtliche Auseinandersetzung mit seiner Vermieterin ist der 75-Jährige zwischenzeitlich zum Raucher mit Rückgrat aufgerückt, gleich auf die Stelle nach Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Von Frank Pröse

Der pensionierte Hausmeister trat bei Raucher-Demonstrationen auf, und Sympathisanten sponserten seine Prozesskosten, denn viele wähnten ihre freie Entfaltungsmöglichkeit in der Wohnung in Gefahr: Rauchen in den eigenen vier Wänden, das muss doch wohl noch möglich sein, wo doch das Quarzen in der Öffentlichkeit immer mehr Beschränkungen unterliegt!

Der Fall liegt jedoch ganz anders: Nach 40 Jahren soll Adolfs aus seiner Wohnung ausziehen, weil er es offensichtlich als eine Zumutung empfindet, seinen Tabakqualm aus dem Fenster zu entsorgen. Über die geöffnete Flurtür und das Treppenhaus geht es ja schließlich auch. Wen kümmert da schon diese Art von Gesundheitsgefährdung der Nachbarn? Im Fall Adolfs geht es darum, dass dieser keine Maßnahmen getroffen hat, diese Geruchsbelästigung weitgehend auszuschließen. Dabei ist ihm bei aller individueller Freiheit die Lüftung seiner Wohnung ebenso zuzumuten wie das Leeren zahlreicher Aschenbecher. Wenn er das rücksichtslos verweigert, dann muss auch einem 75-Jährigen nach 40 Mietjahren gekündigt werden dürfen.

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Die persönliche Freiheit reicht eben nur bis zur persönlichen Freiheit des anderen. Deshalb ereilt ja einen Fleisch brutzelnden Mieter nicht gleich Adolfs’ Schicksal, nur weil sich Vegetarier im Haus belästigt fühlen. Gleichwohl: Die Trennlinie zu definieren, dürfte nicht so einfach sein. Vielleicht hilft potenzielle Gesundheitsgefährdung bei der Rechtfertigung des Tabubruchs mit der Privatsphäre. Fortsetzung folgt, denn gegen das Räumungsurteil sind zur grundsätzlichen Klärung des Sachverhalts Rechtsmittel zugelassen...

Quelle: op-online.de

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