Thilo Sarrazin

Kommentar: Erfolgsrezept Populismus

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Manfred Brackelmann

Das Rezept des Thilo Sarrazin ist bedenklich einfach, und es hilft nur einem: Thilo Sarrazin. Von Manfred Brackelmann

Spätestens seit der von ihm (erfolglos) beschworenen Abschaffung Deutschlands sollten Land und Leute wissen, was sie an ihm haben, wenn sie ihn denn lassen: einen vor allem in sich selbst und in seine Wirkung verliebten Provokateur, der diese Profession immerhin mit einer nicht ganz ungefährlichen Leidenschaft betreibt - der oft wohlklingend formulierten Halbwahrheit.

So bleibt auch sein jüngstes Werk längst nicht immer hart am Thema – der These, dass Europa den Euro nicht braucht. Hinter trockenen Exkursen ins Ökonomische – in denen sich der Ex-Bundesbanker so sicher bewegt, dass es profund klingt, aber leidlich verständlich bleibt – schweift er auch jetzt dorthin ab, wo auf die durchaus brennende Euro-Frage weder Antworten noch sinnführende Hintergründe warten. Eine durch nichts zu haltende Verbindung zu Holocaust und deutscher Schuld, ein dümmlicher Vergleich zwischen aktueller Politik und Honecker-Parolen, das nicht einmal halbherzig geleugnete Pseudo-Verständnis für griechische Lebensweise (unglaublich sympathisch im unmittelbaren Umgang): Es sind deplatzierte Brückenschläge und Überheblichkeiten wie diese, die ihn bei nicht genauem Hinsehen als das darstellen könnten, als was er erscheinen möchte: einer, der sich was traut und dem wir uns anschließen dürfen, wenn wir uns trauen. Soll, muss man einem wie ihm eine Bühne bieten? Man kann. Wenn diese Bühne wie in der ARD dazu dient, dass ein Jauch sich selbst zurücknimmt, um einem eloquent-analytischen Gegner wie Peer Steinbrück Gelegenheit zu geben, dort zuzustimmen, wo es ansatzweise angebracht war, darüber hinaus aber den Provokateur nachhaltig zu entzaubern.

Der Rest liegt bei denen, die es selbst in der Hand haben, wie weit sie Sarrazin auf seinem gedruckten Ausflug ins allzu populistische Abseits folgen. Und wie viel sie für diese Form der Verführung auch noch auf seinen ohnehin reich gedeckten Tisch legen.

Quelle: op-online.de

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