Bundeswehr-Debatten

Kommentar: Mehr Sachlichkeit

Eine Armee ist kein beliebiger Großkonzern; sie produziert Sicherheit, ein kompliziertes Gut, dessen Herstellung nicht selten mit den Bedürfnissen der „Mitarbeiter“ kollidiert. Von Lorenz von Stackelberg

Seit der Dienst an der Waffe freiwillig ist, muss die Bundeswehr allerdings mit anderen Arbeitgebern konkurrieren und sucht ein attraktives Profil, um nicht auf jene angewiesen zu sein, die anderswo schlechte Karten haben. Wenn die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen abschreckende Eigenheiten des Soldatenberufs wie häufige Versetzungen, familienfeindliche Arbeitszeiten oder fehlende Unterbringungsmöglichkeiten für Kinderins Visier nimmt, kann man ihr nur viel Erfolg wünschen.

Mindestens ebenso wichtig ist allerdings, dass Ursula von der Leyen ihre Ankündigungwahrmacht, denjenigen Männern und Frauen, die auf lebensgefährliche Missionen fern der Heimat entsandt werden, jene Ausrüstung zu verschaffen, die Risiken für Leib und Leben minimiert. Stichwort: Kampfdrohnen. Es mag manche schockieren, wenn die USA in Pakistan mit Drohnen auf Menschenjagd gehen; bei einer Parlamentsarmee wie der Bundeswehr wäre derlei ausgeschlossen. Im übrigen gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Drohnen und Lenkwaffen, wie sie seit langem eingesetzt werden. Hier wie dort sitzen Menschen am „roten Knopf“, deren physische und psychische Distanz zum „Ziel“ ungleich größer ist als beim Soldaten auf dem Schlachtfeld. Kampfdrohnen sind also keineswegs Waffen, die von Grund auf neu an ethisch-moralischen Standards zu messen wären. Möglichem Missbrauch steht vielmehr der überwältigende Vorteil gegenüber, bei bestimmten Feindkontakten nicht das Leben deutscher Soldaten aufs Spiel setzen zu müssen.

Eine Bundeswehr, die sich hasserfüllten und hemmungslosen Gegnern stellen muss, wie sie etwa der fanatische Islam hervorbringt, verdient die wohlwollende Prüfung all dessen, was die Sicherheit ihrer Soldaten erhöht, und keinen Bedenkenträger-Chor. Ministerin von der Leyen steht vor der Aufgabe, die emotional-ideologische Drohnen-Debatte in ein sachliches Fahrwasser zu leiten.

Quelle: op-online.de

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