Kindeswohl missachtet

Kommentar zum Burkini-Urteil

Es ist nur ein paar Jahre her, da gewährte eine deutsche Richterin einem muslimischen Ehemann, der von seiner verprügelten Gattin verklagt worden war, einen Straf-Rabatt - weil der Koran Männern das Recht auf „Züchtigung“ der Ehefrau einräume. Von Georg Anastasiadis

Von solcher Multikulti-Romantik hat sich die deutsche Justiz im Zeitalter der Integrationsdebatte gottlob verabschiedet. Religionsfreiheit ist ein hohes, aber kein absolutes Gut, sie konkurriert im liberalen Rechtsstaat mit anderen Grundfreiheiten und -pflichten wie der Schulpflicht, so hat es jetzt der Bundesgerichtshof entschieden – und verfügt, dass eine heute 13-jährige muslimische Gymnasiastin am gemeinsamen Schwimmunterricht mit gleichaltrigen Buben teilzunehmen hat. Das höchstrichterliche Urteil lässt keinen Platz für fundamentalistische Glaubensauslegungen und ihre juristische Durchsetzbarkeit in einem weltlichen Staat.

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Ein von den meisten Muslimen akzeptierter Ganzkörperbadeanzug - der sogenannte „Burkini“ - müsse genügen, um dem Wunsch des Mädchens (oder seiner besonders korantreuen Eltern) nach Schutz vor anzüglichen Blicken Rechnung zu tragen. Weitergehende religiös motivierte Ansprüche wiesen die Richter zurück. Zu Recht. Denn was wäre der nächste Schritt? Die Befreiung fundamentalistisch-christlicher Schüler vom Biologieunterricht wie in den USA, wenn dort Darwins Evolutionstheorie gelehrt wird? Es wäre die Kapitulation des säkularen Staates und seines Auftrags, allen Kindern eine moderne und humanistische Bildung zuteil werden zu lassen. Es geht nicht nur um Religion. Sondern auch um Integration, um Gleichberechtigung, um das Recht auf Teilhabe, die wir niemandem, der an deutschen Schulen lernt und in Deutschland lebt, vorenthalten sollten. Wer das als Zuwanderer nicht will, kann seine davon abweichenden Werte an einem beliebigen anderen Ort der Welt ausleben.

Quelle: op-online.de

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