Profil schärfen

Kommentar: CDU will sich reformieren

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Die CDU ist eine Partei mit zwei Gesichtern. Da ist einmal die, die seit zehn Jahren im Bund von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilt und auch in den aktuellen Umfragen alle anderen Parteien weit hinter sich lässt. Von Angelika Dürbaum

Da ist aber die CDU, die in den Ländern und Kommunen, vor allem in den Großstädten, eine Wahlschlappe nach der anderen hinnehmen muss. Damit nicht genug, immer weniger Menschen wollen sich bei den Christdemokraten engagieren. Gab es Anfang der 90er Jahre noch deutlich mehr als 750.000 Mitglieder, sind es heute nur noch um die 450.000. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 59 Jahren, der Frauenanteil - trotz Kanzlerin und Parteivorsitzenden Angela Merkel - bei nur 26 Prozent. Nun haben Präsidium und Vorstand eine Parteireform auf den Weg gebracht, die mit Blick auf das nächste große Wahljahr „Meine CDU 2017“ überschrieben ist. Ziel: Die Christdemokraten wollen mit neuen Strukturen jünger, vielfältiger, moderner und weiblicher werden.

Dazu soll etwa „besondere Rücksicht auf familien- und arbeitsfreundliche Sitzungszeiten“ genommen werden, ein Quorum für ein „eigenständiges direktes Antragsrecht zu Parteitagen oberhalb der Kreisebene als Ergänzung zum bisherigen Antragsverfahren“ sowie Mitgliederbeauftragte und Mitgliederakademien eingeführt werden und mit Online-Plattformen und einer CDUplus-App die interne Kommunikation verbessert werden. Ob das wirklich reicht, junge Menschen, Frauen oder „Menschen mit Einwanderungshintergrund“ zu begeistern? Denn letztlich entscheiden nicht geänderte Abläufe, sondern Inhalte über den Griff zum Parteibuch. Und da hat die CDU Probleme mit ihrem Markenkern, der teilweise sehr antiquiert daherkommt. Das Profil beispielsweise in Sachen Einwanderungsgesetz oder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schärfen, dürfte wohl mehr Menschen über einen Eintritt bei den Christdemokraten nachdenken lassen als das neue Siegel „Mitmach- und Onlinepartei“.

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Quelle: op-online.de

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