Kommentar: Wäre er`s doch nie geworden

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Manfred Brackelmann

Kommentar - Die Liste der Vorkommnisse, die sich in den vergangenen Monaten an der Person Christian Wulff festmachten und dabei das Prädikat „einmalig“ bekamen, ist lang.

Sie wäre kaum so lang geworden, wenn es nicht in jedem Fall um den ersten Mann im Staate gegangen wäre – der es bislang in wiederum einmaliger Dickhäutigkeit verstanden hat, über zwei pflichtschuldige Entschuldigungen gegenüber der Nation allen Forderungen nach weiter gehenden Konsequenzen – sprich Rücktritt – zu widerstehen.

Das aber war einmal. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Vorwürfe gegen den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten geben der Affäre – und nichts weniger war es schon bisher – eine neue Brisanz. Die wird noch erhöht durch die Tatsache, dass bei der beantragten Aufhebung der Immunität der Bundestag am Zug ist. Damit würde der Fall Wulff noch stärker als bisher zum Zankapfel zwischen den Parteien und zur Belastungsprobe für das politische Klima.

Kritischer als bisher aber muss auch Angela Merkel ihre bisherige Haltung zu Wulff hinterfragen. Ihr Ziehkind im Schloss Bellevue steht in einer Form im Visier der Justiz, mit der sich das Ansehen des Amtes zumindest im Bezug auf diesen Amtsinhaber endgültig erledigt hat.

Vor diesem Hintergrund folgt vielleicht auch Merkel tief drinnen dem lange bestehenden gesunden Empfinden einer Mehrheit des Volkes: Wäre dieser Mann doch nie Bundespräsident geworden....

leserbriefe@op-online.de

Quelle: op-online.de

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