Noch fehlt ein Masterplan

Kommentar: Einigung über Energiewende

Ein Kompromiss lässt alle Seiten ihr Gesicht wahren. Darauf war man auch bei den Absprachen zum Entwurf fürs Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus, die großspurig als Reform tituliert werden, deren Eigenschaften aber vermissen lassen. Von Frank Pröse

Wenn Politiker derart Kuhhandel betreiben, dann hat die Bevölkerung die Zeche zu zahlen, in diesem Fall der gemeine Haushalts- und Gewerbekunde, denn die Industrie wird ja weiterhin überproportional von den Kosten der Energiewende entlastet. Allein dadurch landen 0,4 Cent pro Kilowattstunde mehr auf der Stromrechnung.

Ist die Wende also eine, die ihren Namen verdient? Oder hat die Politik nach dem Atomunfall in Fukushima dem Energiesektor das ökologische Label zu Unrecht übergestülpt? Wen interessiert noch das große Ganze? In Berlin verlieren sie sich im Disput mit den Lobbyisten lieber im Klein-Klein und streiten mit dem zuständigen Minister Gabriel über Details dieser Energiewende, mit der sich die Wirtschaft abseits der Öko-Industrie von Anfang an nicht anfreunden konnte und deshalb Stimmung dagegen machte. Mit Erfolg. Heute redet alle Welt nurmehr über die Kosten der Wende. Auf einmal sind immer weniger bereit, den teuren Weg zur zukunftssicheren Energieversorgung zu gehen, die Deutschland ganz nebenbei die Technologieführerschaft bringen würde. Die Kosten des Status quo werden nicht hinterfragt. Die stehen ja auch nicht auf der Stromrechnung, die zahlt schön brav der Steuerzahler. Deshalb tauchen sie ja auch in keiner Bilanz auf.

Ohne Speicher, keine Energiewende

Die im Zuge der Krim-Krise bewusst gewordene äußerst unangenehme Abhängigkeit vom Russland-Gas wird rasch wieder verharmlost. Mit dem Ziel nachhaltigen Wirtschaftens ist es nicht weit her, wenn nur mit der Keule der steigenden EEG-Umlagen gedroht wird. Wende ja! Sie darf nur nichts kosten! Wirtschaftsverbände drohen mit der Abwanderung in Länder mit günstigeren Stromangeboten. Das kann eine Weile funktionieren. Nur dann wird auch im Ausland der Strom teurer. Und in absehbarer Zeit werden auch die europäischen Nachbarn nicht mehr umhin kommen, ihre Energie auf ökologische Weise zu erzeugen. Dann wird’s noch teurer.

Ja, die Texaner zahlen nur ein Drittel unseres Strompreises. Das zeigt doch aber noch nicht, dass die Energiepolitik in Deutschland falsch ist. Sie wird vielmehr allmählich zukunftsfest. Da sind selbstverständlich auch Irrtümer mit eingeschlossen. Solche hat es beim EEG zuhauf gegeben. Deshalb gehört es auch nachjustiert, aber bitte konsequenter, als nur mit sturem Blick auf die Kosten. Investoren wie Öffentlichkeit brauchen Klarheit bei Netzausbau, Speicherkapazitäten und der Nutzung konventioneller Kraftwerke. Nur über eine Art Masterplan, der den gesamten Kraftwerkspark, den Ausbau der Stromnetze und die Verlagerung des Verbrauchs in stromreiche Zeiten umfasst, lässt sich dann auch ein tragfähiges Konzept für Kosteneffizienz auf dem gesamten Energiemarkt entwickeln. Und erst wenn die erneuerbaren Energien sich im Markt behaupten können, ist die Energiewende über den Berg. Auf dem Weg dahin wird es noch viele Kompromisse geben müssen. Es wird sich lohnen.

Diese 15 Faktoren erschweren die Energiewende

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Quelle: op-online.de

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