Energiewende und Solarstrom

Kommentar: Gegensteuern ist möglich

Die politisch verordnete Energiewende komme hierzulande nicht voran. Und sie entwickelt sich zu einer schweren Hypothek für den Wirtschaftsstandort, kritisieren die Chefs von Eon und Siemens, Johannes Teyssen und Peter Löscher in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Von Frank Pröse

Energiewende in Hessen: Biogas und Windräder

Windräder und Solarparks statt Atom-Meilern und Kohlekraft - kaum ein Thema ist im Grundsatz so wenig umstritten wie die Energiewende. Doch einige Bürger gehen inzwischen auf die Barrikaden gegen Windkraft und Biogas.

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Deutschland sei auf dem falschen Weg und die Lage sei wegen der Belastungen durch enorm gestiegene Strompreise ernst. Das ist die eine Wahrheit. Zu der gehört aber auch, dass Eon wegen des verordneten Atomausstiegs seinen Kraftwerkspark umbauen muss, ein schmerzhaftes Unterfangen, dass durchaus die Bereitschaft zur „Abrechnung“ wachsen lässt. Siemens seinerseits hat schon kräftig umgebaut, macht allein mit Windkraft schon mehr als 5 Milliarden Euro Umsatz, sollte sich auf dem Weg zum „grünen Infrastrukturgiganten“ ein wenig mehr zurückhalten.

Auch Solarstrom hat Zukunft, wenn vor kurzem schon ein Rekordwert von mehr als 21 Gigawatt ins Netz eingespeist wurde, immerhin ein Viertel des Bedarfs in den Mittagsstunden. Zusammen mit der Windkraft wurden am 16. Juni nachmittags erstmals knapp zwei Drittel der gesamten Stromerzeugung von Windmühlen und Solaranlagen bewältigt. Wenn es auch bei der politischen Energiewende hapert, die praktische kommt also voran. Das wird sich in Euro und Cent spätestens dann auszahlen, wenn Wettbewerber auf dem Weltmarkt ins Abseits geraten, weil sie konventionell erzeugten und sündhaft teuren Strom kaufen müssen. Ja, im Moment ist der hohe Strompreis ärgerlich, zumal die Regierung bei der Anschub-Subvention für Erneuerbaren Energien wegen der fehlenden Gesamtstrategie übers Ziel hinausgeschossen ist. Vielleicht war die Entwicklung nicht vorherzusehen. Gleichwohl lässt sich gegensteuern.

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Für Eon-Chef Teyssen gibt es nur eine Lösung: „Man muss einen Schnitt machen und sagen: Die Musik ist aus.“ Ob der Schnitt so radikal ausfallen muss, sei dahingestellt. Die Einspeisevergütungen sind heute freilich verzichtbar. Der Ausbau der Anlagen würde deshalb nicht gefährdet, denn heute lohnt es sich schon, Solarstrom selbst zu nutzen. Fehlen nur bezahlbare Stromspeicher im privaten wie im öffentlichen Raum, um Stromschwankungen besser auszutarieren. Das weiß die Branche, weiß die Regierung. Doch ein für die Energiezukunft dieses Landes unabdingbarer Generalplan fehlt. Darüber lohnte es sich für Minister Altmaier zu diskutieren, statt sich für eine Ausbau-Bremse selbst zu loben, die zwar die installierte Leistung, aber letztlich nicht die Kosten gedeckelt hat. Selbst wenn die Energiewende durchaus etwas mehr Geld kosten darf, überfordert werden dürfen Bürger und Industrie nicht. Strom aus erneuerbaren Energien zu sozialverträglichen Kosten ist machbar.

Quelle: op-online.de

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