Flüchtlinge als Faustpfand

Kommentar: Satire zu Erdogan

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Seine Exzellenz Erdogan gibt sich wieder einmal alle Mühe, vor der Weltöffentlichkeit das Ekelpaket zu geben. Mit seiner Reaktion auf eine in Deutschland ausgestrahlte Satire mit ihm als Hauptdarsteller hat er den Inhalt der Sendung „extra 3“ allerdings ungewollt bestätigt. Von Frank Pröse 

Gefangen in seinem wirren Weltbild will der Möchtegern-Sultan eine Staatsaffäre vom Zaun brechen, erntet aber mit der Einbestellung des deutschen Botschafter zur Rechtfertigung der Satire etwas Spott und viel Kritik. Allein die Bundesregierung bleibt sprachlos, angesichts des Affronts eine Ungeheuerlichkeit und ein Hinweis auf die Erpressbarkeit, in die man sich mit dem EU-Türkei-Flüchtlingsdeal manövriert hat. Berlin kuscht vor Erdogan, der im Wissen um die ihm zugewachsene Macht in der Flüchtlingsfrage immer öfter wie wild um sich schlägt.

Nur Anti-Demokraten mit einem gestörten Verhältnis zu Meinungs- und Pressefreiheit können glauben, ein deutscher Botschafter könne Einfluss nehmen auf Programminhalte im deutschen Fernsehen. Spätestens diese Aktion sollte also allen jenen in der EU zu denken geben, die Erdogan als Helfer bei der Flucht der Versager aus der hausgemachten Flüchtlingskrise hofieren, nur weil Ankara künftig die Drecksarbeit macht. Erdogans Starrsinn, sein Größenwahn und seine eigenwillige Interpretation demokratischer Rechte müssen endlich zu Konsequenzen führen. Verhandlungen auf dem Weg zum EU-Beitritt der Türkei verbieten sich zwar von selbst. Aber auch sie sind im Flüchtlings-Pakt mit der Türkei vertraglich zugesagt, ebenso wie die Visafreiheit für Türken. Dieses Rad lässt sich so leicht nicht zurückdrehen. Wenn Diplomaten über Ungereimtheiten gerne einmal hinwegschauen, so gehört diese Vornehmheit spätestens dann abgelegt, wenn einer wie Erdogan sich seine Regeln selber schafft und meint, Flüchtlinge gegen Meinungsfreiheit ausspielen zu können.

Quelle: op-online.de

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