Grüne Erfolge

Kommentar: Die Bastionen fallen

Die Grünen und ihre mitunter teuren Weltverbesserungsideen muss man sich erst mal leisten können. Im reichen Ländle tut man das: In Scharen haben Lehrer, Beamte und Facharbeiter in den vergangenen Jahren das Lager gewechselt und sind zu den Grünen übergelaufen. Von Georg Anastasiadis

Der Triumph des tüchtigen Fritz Kuhn in Stuttgart komplettiert den Farbwechsel eines ganzen Landes von schwarz zu grün.

Vor voreiligen Verallgemeinerungen sei dennoch gewarnt: Bayern ist so wenig Baden-Württemberg wie NRW oder Berlin oder Schleswig-Holstein, wo bei den jüngsten Wahlen die Bäume der Ökopartei eben nicht in den Himmel gewachsen sind. Im Südwesten hat erst eine Sonderkonstellation den Erdrutsch ermöglicht: hier bürgerliches grünes Führungspersonal, das so ganz und gar nichts gemein hat mit den in der Gesamtpartei tonangebenden „Linken“ Trittin, Künast und Roth. Und dort der totale Zusammenbruch der Landes-CDU, ihre Arroganz im Umgang mit den Stuttgart-21-Gegnern und, am katastrophalsten, der Skandal um den von einer Großbank ferngesteuerten Ex-Ministerpräsidenten Mappus. Kurz gesagt: Nirgendwo sonst sind die Grünen so „schwarz“ wie im Ländle – und nirgendwo sonst sind die Schwarzen so doof.

Trotzdem: Zu denken geben muss der historische grüne Erfolg in Stuttgart, der erste in einer Landeshauptstadt, den Volksparteien schon. Die CDU verliert unter Angela Merkels Führung eine Bastion nach der anderen. Und die SPD? Nun: Als modern und zukunftsgerichtet werden in den Städten oft nicht mehr Sozialdemokraten wahrgenommen, sondern Grüne. Dennoch könnte deren Höhenflug in Bayern demnächst unsanft enden, aus zwei Gründen. Der Erste ist ihre dezidiert linke Spitzenfrau Margarete Bause. Und der Zweite: Überall dort, wo die Grünen hinwollen, ist die wendige Seehofer-CSU schon längst: raus aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie, raus aus dem Transrapid, raus aus dem Donauausbau. All das kostet Geld und/oder Wachstumschancen. Wie gesagt: Grüne Wohlfühl-Politik muss man sich leisten können, egal, ob sie von den Grünen oder der CSU gemacht wird. Irgendwann aber kommt der Zahltag – für beide.

Quelle: op-online.de

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