Wie Putin aufhalten?

Kommentar zur Eskalation im Ukraine-Krieg

Für uns Redakteure ist es eine immer wiederkehrende Erfahrung: Bei jedem Konflikt - ob im Irak, Syrien, Nahost oder der Ukraine - ist die Wahrheit eines der ersten Opfer. Und oft ist es nicht leicht, sich ein Urteil zu bilden. Von Siegfried J. Michel

Die Erfahrung lehrt uns aber auch, dass sich aus vielen einzelnen Nachrichtenschnipseln und nach einer gewissen Zeit schon ein Handlungsstrang erkennen lässt, der der Wahrheit doch sehr nahe kommt. Im Fall des Konfliktes in der Ost-Ukraine ist dies so. Was sich dort offenbart, macht Angst, nicht nur mir. Eine Umfrage ergab, dass zwei Drittel der Deutschen fürchten, dass es zu einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine kommt. 69 Prozent sind besorgt wegen der Politik von Russlands Präsident Putin. Dazu gibt es allen Grund!

Das Erschreckende an diesem - noch regional begrenzten - Konflikt ist, dass er im Prinzip alle Zutaten hat, die ihn zu einem großen Krieg werden lassen könnten. Nach den neuesten und aus unterschiedlichen Quellen kommenden Nachrichten dürfte es inzwischen klar sein, dass Moskau - trotz weiter gegenteiliger Behauptungen - mit Truppen und Kriegsgerät in der Ukraine aktiv ist. Die Einverleibung der Krim war für Kremlchef Putin - so hat es jetzt den Anschein - nur der Auftakt für einen größeren Zugriff, um sein Machtgebiet zu erweitern. Mehr als verständlich sind deshalb beispielsweise die Sorgen der drei baltischen Staaten, auch sie könnten schon bald auf der Liste des Russen stehen.

Die bangen Fragen sind: Wird sich Putin durch weitere und verstärkte Sanktionen sowie Appelle des Westens von seiner gefährlichen Strategie abbringen lassen? Wohl eher nicht, ist zu befürchten. Was also sind die Alternativen? Wenn es wirklich richtig kracht - lassen wir die Ukraine im Stich? Und was, wenn die Sorgen der Baltenstaaten zur Wirklichkeit werden? Sie sind - wie viele andere Staaten des ehemaligen Ostblocks inzwischen Nato-Mitglieder. Was kommt da auf uns alle zu?

In der Haut von westlichen Spitzenpolitikern möchte man nicht stecken, denn sie stehen vor einem gewaltigen Dilemma: Lässt man den „lupenreinen“ Machtmenschen Putin weiterhin gewähren, so sind die Folgen unabsehbar. Dies ist aber auch der Fall, wenn der Westen - und somit die Nato - beginnen würde, die militärische Karte mit ins Spiel zu bringen. So bleibt zu hoffen, dass unsere Politiker - bei allem was sie nun entscheiden - eine glückliche Hand haben, damit der Frieden zurückkehrt und die Vernunft wieder Oberhand bekommt.

Quelle: op-online.de

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