Wahnsinnige unter sich

Kommentar zu den Euro-Rettungsversuchen

Die Kollegen von „Spiegel online“ bringen es auf den Punkt: Im Griechenland-Poker sitzen Wahnsinnige am Verhandlungstisch. Von Frank Pröse

Es geht ums große Ganze, und die seit Monaten verhandelnden Personen sprechen ernsthaft über niedrigere Steuern für Luxusinseln, dafür über höhere für verarbeitete Lebensmittel wie Spaghetti. Sie ändern schriftliche Vorgaben aus früheren Runden einfach eigenmächtig ab und verbeißen sich im Streit um Ultimaten, obwohl die Zeitnot vertraglich begründet ist. Griechenland und seine Gläubiger haben sich im Schuldenstreit verkeilt. Nach einer baldigen Einigung zur Abwehr einer Staatspleite zwischen Geldgebern und der Regierung in Athen sieht es jedenfalls nicht aus. Und wer die vergangenen Wochen glaubte, die mit harten Bandagen geführten Verhandlungen seien größtenteils auch Show zur Befriedung der jeweiligen Bevölkerung, der wird in diesen Stunden eines Besseren belehrt.

Wer wie die sattsam bekannten Akteure auf beiden Seiten Prinzipien reitet, die bereits in der Vergangenheit von allen verraten wurden, wer jahrelang ergebnislos verhandelt und in dieser Zeit kaum mehr erreicht als 340 Milliarden zu versenken, wer dabei die europäische Idee verrät, der hat grundsätzlich versagt. Da wurde nicht geschauspielert, die Akteure können es offensichtlich nicht besser. An der nun zu konstatierenden Insolvenzverschleppung haben sich insbesondere auch die deutschen Hüter der Währungsunion schuldig gemacht, denn sie sind den deutschen Banken schließlich nicht in die Arme gefallen, als diese die griechische Sause aus freien Stücken finanzierten. Zusammen mit ihren französischen Kollegen haben die deutschen Banker es den Griechen ermöglicht, das große Spiel zu Lasten aller Euro-Europäer spielen können. Während des Endspiels nun wird völlig ausgeblendet, dass bei jedem denkbaren Ausgang nur der kleine Mann zu den Verlierern gehören wird.

Verloren hat auch Europa, denn es ist moralisch und intellektuell auf den Hund gekommen, weil niemand sich an die Regeln hält. Die Euro-Krise zeigt zudem überdeutlich, dass die Bürger Europas noch Jahrzehnte von einer echten Union entfernt sind und im Alltag der Bürger nationalstaatliches Denken ganz klar im Vordergrund steht. Der Versuch, dies mit einer gemeinsamen Währung zu kaschieren, ist gründlich in die Hose gegangen. Mit einem Grexit ist das auch nicht mehr zu reparieren.

Quelle: op-online.de

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