Europa, Amerika und der Nahe Osten

Kommentar: Im Umbruch

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Werner Menner

Die arabisch-islamische Welt ist in Aufruhr, und Europa wie Amerika wirken hilflos. Die großen Hoffnungen auf rasche Veränderungen in Richtung Demokratie haben sich weitgehend in Luft aufgelöst. Von Werner Menner

Ebenso bitter ist die Erkenntnis, dass Demokratie (leider) doch kein Export-Artikel ist. Auf dem Vormarsch sind derzeit die religiösen Fundamentalisten. Und selbst jene Demonstranten, die in Ägypten, Syrien, Tunesien und anderen islamischen Ländern nach Demokratie rufen, verbinden damit nicht zwingend die Werte, die abendländischen Staaten heilig sind. Oder es zumindest sein sollten.

Die Orientpolitik des Westens droht auf breiter Front zu scheitern. Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt sich vielsagend in der zögerlichen Haltung der USA und der EU gegenüber Syrien und Ägypten. Von einer Überprüfung der Beziehungen zu Kairo ist die Rede. Als ob es sich die Europäer leisten könnten, dem Schlüsselstaat im arabischen Raum den Rücken zuzukehren. Sich von Ägypten abzuwenden, hätte unabsehbare Auswirkungen nicht nur auf den Nahost-Friedensprozess.

Und was die EU-Waffenexporte an Ägypten anbelangt, die nun gestoppt werden sollen: Die Saudis werden diese Lücke (mit Waffen aus den USA) füllen, wie sie gegenüber den Militärs auch mit finanzieller Hilfe nicht zögerlich sein werden. Eine absurde Situation, doch die Saudi-Herrscher sehen ihre Macht durch die Ideen der Muslimbrüder bedroht; für sie führt das ägyptische Militär einen Kampf gegen den Terrorismus. Der Orient verändert sich wieder einmal gravierend, aber kaum im westlichen Sinne.

Quelle: op-online.de

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