Fahrgast-Rechte

Kommentar: Riskantes Urteil

Der Zug kommt zu spät, viel zu spät. Aber statt „Geld zurück“ gibt es nur den dubiosen Hinweis auf „höhere Gewalt“. Das wird nun anders. Doch wirklich glücklich kann man mit dem Urteil wohl nicht sein. Von Detlef Drewes

Selbst wenn man die mögliche Folge einer Fahrpreis-Erhöhung außer acht lässt, mit der die Bahn die steigenden Risiken wieder hereinholt, dürfte der Spruch nur auf den ersten Blick ein Befreiungsschlag sein. Denn tatsächlich bürdet der Hof den europäischen Zug-Betreibern die Folgen für Risiken auf, die nicht in ihrer Verantwortung liegen. Die DB mag an vielem Schuld sein. Aber ganz sicher nicht an Orkanen, Überschwemmungen oder Unfällen, die den Schienenverkehr lahmlegen. Noch ungerechter wird die Lastenverteilung im Falle von Streiks. Europas Richter haben die Erpressbarkeit einseitig verschoben. Ob die Gewerkschaften dies bei Tarifkonflikten berücksichtigen, darf man bezweifeln. Während die Richter Airlines und Reedereien zugute halten, dass sie Opfer von Schlechtwetter-Lagen oder gar Routensperrungen durch Überlastung werden können, wird das bei der Bahn ausgeschlossen. Konsequent ist das nicht: Wenn der ICE International von Paris nach Frankfurt wegen Streiks in der französischen Hauptstadt zu spät fährt, trifft die DB AG keine Verantwortung.

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Natürlich war es richtig, dass die EU die Fahrgast-Rechte ausgedehnt hat. Der tiefere Sinn aber bestand darin, die Unternehmen zu zwingen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um pünktlicher zu werden. Aus dieser Absicht kann und muss man das Ziel ableiten, die Verantwortung für alle Faktoren zu übernehmen, die die Verkehrsunternehmen selbst beeinflussen können. Dass dies bei Unwettern nicht der Fall sein dürfte, erschließt sich von selbst. Eine Haftung samt Entschädigung auch für derartige, nicht beeinflussbare Zwischenfälle einzuführen, erscheint verrückt.

Quelle: op-online.de

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