Fall Mollath

Kommentar: Es bleibt ein Unbehagen

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Peter Schulte-Holtey

Nürnberg - Nach sieben Jahren in der geschlossenen forensischen Abteilung ist Gustl Mollath wieder ein freier Mann. Das Strafverfahren, das ihn einst in diese Situation brachte, wird neu aufgerollt. Das Nürnberger Oberlandesgericht hat endlich Recht im Namen des Volkes gesprochen.

Was nicht vergessen werden sollte: Eine nicht zu unterschätzende Rolle haben die Medien gespielt. Ohne deren beharrliche Recherchen wäre wohl nie der notwendige öffentliche Druck für ein Wiederaufnahmeverfahren entstanden.

Es wurde ein vorläufiger Schlussstrich unter ein zweifelhaftes Kapitel der deutschen Justiz gezogen. Es scheint, weil man Mollath als Querulanten abgehakt hatte, wurden seine Schriftstücke praktisch nicht zur Kenntnis genommen, seine Eingaben nicht gehört.

Die Unschuld von Mollath ist von den Nürnberger Richtern nicht behauptet worden. Auch am Ende eines neu aufgerollten Verfahrens könnte er schuldig gesprochen werden. Jetzt schon steht aber fest, dass der nächste Richterspruch nicht so zu Stande kommen wird wie das Grundurteil aus dem Jahr 2006. Das strotzt vor offensichtlichen Fehlern und Ungereimtheiten.

Die Entscheidung im Fall Mollath ist erfreulich, aber kein Anlass zur Beruhigung. Denn mehr denn je werden sich nun viele Bürger fragen, ob sie noch darauf vertrauen können, dass Richter ihre Arbeit mit der nötigen Sorgfalt ausüben. Es bleibt ein Unbehagen: Wie oft wird bei Polizei, Staatsanwaltschaft und vor Gericht geschlampt? Die Justiz wird jetzt unter besonderer Beobachtung stehen.

Quelle: op-online.de

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