Der Fall Schavan

Kommentar: Demontage auf Raten

Kritik am Vorgehen der Heinrich-Heine-Universität, speziell an ihrer Informationspolitik im Fall Annette Schavan, mag berechtigt sein.

Aber keiner sollte dem Fakultätsrat vorwerfen, mit der Bundesministerin politische Spielchen zu treiben oder sich nicht ernsthaft um eine wissenschaftliche Einschätzung bemüht zu haben.

Trotz aller Beteuerungen: Es wird nicht möglich sein, dass Schavan ohne Folgen für ihr Amt überführt ist. Auch wenn selbst die wissenschaftliche Gemeinde über die Tragweite unsauberen Zitierens uneins ist: Zumindest an ihren eigenen Maßstäben ist sie doch gescheitert. Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie die CDU-Politikerin, die nun offiziell aus Sicht der Universität als Plagiatorin dasteht, noch überzeugend für wissenschaftliche Werte und Standards eintreten soll. Mag sie auch noch so oft bekräftigen, ihre Doktorarbeit sei kein Plagiat: Der wissenschaftliche Ruf der obersten Bildungspolitikerin des Landes ist enorm ramponiert.

Natürlich gilt für die Causa Schavan vor einem Urteil im anstehenden Gerichtsverfahren die Unschuldsvermutung. Doch im knüppelharten Politikgeschäft mit seinen Skandalisierungen, mitten im Bundestagswahlkampf, zählt bei jeder Ungereimtheit leider bevorzugt die Schuldvermutung. Die Kanzlerin, hieß es gestern, habe auch nach der Aberkennung des Doktortitels „volles Vertrauen“ in ihre Bildungsministerin. Wer will das glauben? Die Demontage auf Raten hat längst begonnen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare