Kommentar: Die Macht des Geldes

Weltoffenheit, Fairness, moralische und demokratische Nähe zu einem Europa, zu dem man gehören will: Das will die Ukraine der Welt demonstrieren, wenn in sechs Wochen die Fußball-EM beginnt. Die Realität: Oligarchen-Willkür, Korruption, Gewalt-Missbrauch durch staatliche Organe.

Der Fall Julia Timoschenko beweist es. Die Ex-Regierungschefin und einstige Oligarchin war in der Wahl ihrer Mittel nie wählerisch, und sie hat ganz sicher keine weiße Weste. Doch was auch immer sie auf dem Gewissen haben mag: Sie wurde gegen ihren Willen – wohl aus Angst vor dem, was sie dort erwartet – in eine Klinik verfrachtet, sie wurde bedroht und misshandelt. Das verstößt gegen die Menschenrechte. Das sind die Methoden einer Diktatur oder des alten KGB oder der Mafia.

Einer Mafia, die den Staat fest im Griff hat, und vor der sich auch die Fußball-Allmächtigen devot verneigen. Pecunia Non Oleat, Geld stinkt eben nicht. Sagt man.

Falsch! In der Ukraine stinkt es bis zum Himmel. Und dennoch wäre es falsch, diese Europameisterschaft zu boykottieren. Das würde weder Timoschenko noch dem Volk helfen. Aber man sollte zumindest so viel Zivilcourage besitzen, gegenüber den Mächtigen in Kiew die Dinge beim Namen zu nennen. So, wie es die Bunderegierung und Bundespräsident Gauck bereits tun. Und man sollte sich in Sportfunktionärskreisen einmal Gedanken darüber machen, ob korrumpierende Oligarchen-Milliarden wirklich ausreichen, um die Augen vor allem zu verschließen.

Quelle: op-online.de

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