Verlockendes Angebot fehlt

Kommentar zum FDP-Parteitag

Sie sind weit verstreut, die einstigen Ober-Liberalen: Von Straßburg über Genf bis Washington haben die Leutheusser-Schnarrenbergs, Röslers und Bahrs neue Aufgaben gefunden. Von Angelika Dürbaum

Politik machen sie wohl bald beim Europarat und bereits beim Weltwirtschaftsforum oder als Berater der US-Regierung. Daheim in den Niederungen der deutschen Politik ist es Christian Lindner, der im Alleingang zu retten versucht, was nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag im vergangenen September noch zu retten ist. Wie schlimm es tatsächlich um die Liberalen steht, dürfte sich nach den Wahlen Ende des Monats zeigen. Neben dem Europa-Votum stehen am 25. Mai Kommunalwahlen in zahlreichen Bundesländern an. Schwindet die FDP-Präsenz auch in den Städte- und Gemeindeparlamenten, bleibt kaum noch eine Chance zur Profilierung.

Zurzeit schafft die Partei in Umfragen nicht mehr als drei Prozent, obwohl jeder fünfte Deutsche zu Protokoll gibt, die FDP zu vermissen. An potenziellen Wähler mangelt es also nicht, offensichtlich aber an einem überzeugenden liberalen Angebot. Dies lieferte auch der Parteitag nicht. Von Dresden wird wohl nur der scharfe Angriff auf die AfD in Erinnerung bleiben. Was es für die Zukunft der Liberalen bedeuten würde, bei der Europawahl deutlich weniger Prozentpunkte als der Angstgegner zu erreichen, mag man sich nicht ausmalen. Wie sagte Parteichef Lindner noch: „Man kann nicht kämpfen, wenn man die Hosen voller als das Herz hat.“

Quelle: op-online.de

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