Fliehkräfte nehmen zu

Kommentar: Flüchtlinge stellen EU auf die Probe

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Die Bilder aus Budapest, Wien und schließlich München dokumentieren die dramatische Lage an der Flüchtlingsfront eindrücklich: Jeder wird gewahr, dass sich die Zuwanderungsspirale immer schneller dreht, auch weil die Mitglieder der EU immer planloser agieren. Von Frank Pröse

Weil niemand sich an Recht und Gesetz hält, werden Fliehkräfte aktiviert, die diese Europäische Union sprengen können. Einer solchen EU müsste keiner eine Träne nachweinen. Aus Griechenland- und Flüchtlingskrise haben wir eines gelernt: Nur Geld hält diesen europäischen Verbund zusammen. Von der großen Idee der Solidar- und Wertegemeinschaft heißt es Abschied zu nehmen, denn Solidarität lässt sich offensichtlich nur dann einfordern, wenn andere dafür zahlen. Dafür stellen dann wie im Fall Griechenland sogar Institutionen wie der Internationale Währungsfonds ihre Regeln auf den Kopf.

Eine solche Gemeinschaft der Rosinenpicker, auf deren Gebiet im Zeitalter des weltweiten Zusammenwachsens Zäune errichtet werden, wo sie sich doch die Schaffung menschenwürdiger Lebensverhältnisse zur Aufgabe gemacht hat, eine solche Gemeinschaft wird keinen Bestand haben. Ein Staatenbund ohne ehrenwerte humanitäre Zielvorgaben wird spätestens dann auseinanderdriften, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt. Es geht schnurstracks wieder zurück in die Vergangenheit. Jeder gegen jeden, die Grenzbäume stehen sinnbildlich dafür.

Budapester Bahnhof wegen Flüchtlingsansturm geschlossen

Das Bild, das die EU in den letzten Monaten abgegeben hat, sollte das Bedauern allerdings in Grenzen halten. Denn das Konstrukt scheint nicht mehr beherrschbar. Dann lieber aufgeben. Dieser EU-Pessimismus ließe sich nur vertreiben, wenn künftig in Krisensituationen individuelle Schulden nicht mehr vergemeinschaftet und die europäischen Partner am permanenten Rechtsbruch in der Flüchtlingspolitik gehindert würden. Nach dieser Einsicht sieht es in der europäischen Familie freilich nicht aus. Außerdem: Solidarität ist der Feind der Souveränität, die sich nicht gerade wenige Familienmitglieder mit dem Aufstellen eigener Regeln zurückerobern wollen. Die Fliehkräfte im Verbund nehmen zu.

Quelle: op-online.de

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