Internationale Automobilausstellung

Kommentar zur IAA: Schwieriger Spagat

Mobilität verbindet“ titelt die 66. Ausgabe der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Und dieser Slogan ist klug gewählt, denn auf dem Messegelände verbindet sich die mobile Zukunft mit der Gegenwart. Von Carsten Müller

Carsten Müller

In der erstmals zum Schwerpunkt erklärten „New Mobility World“ rücken zwei Welten zusammen, die sich bisher argwöhnisch beäugt haben: die traditionellen Automobilhersteller und die noch junge Digitalbranche. Nicht alle Autobosse sehen das Thema Digitalisierung so dringlich wie Mercedes-Chef Dieter Zetsche und VW-Lenker Martin Winterkorn. Doch der Ton verändert sich. Man hat die Chancen, vor allem aber die Gefahren erkannt, sollten finanziell überaus potente Mitbewerber wie Apple und Google zu Konkurrenten werden, die in ganz anderen Produktzyklen denken und arbeiten und das zum Fetisch stilisierte Automobil mit weitaus pragmatischeren Augen betrachten.

Ob daraus eine Partnerschaft auf Augenhöhe erwächst, wird die Zukunft weisen. Zum Hardware-Lieferanten wollen die Automobilhersteller jedenfalls auf keinen Fall degradiert werden. Und dass sie sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, haben Audi, Daimler und BMW durch die Übernahme des Nokia-Kartendienstes „Here“ unterstrichen.

Die IAA verbindet aber auch Gegensätzliches: Dass in den Messehallen protzige Geländewagen neben Elektrofahrzeugen präsentiert werden, spiegelt den schwierigen Spagat, den die Automobilhersteller derzeit absolvieren müssen. Einerseits sind politische Vorgaben zur CO2-Einsparung zu erfüllen, andererseits muss Geld verdient werden. Und da sich so genannte Sports Utility Vehicle (SUV) immer noch wie geschnitten Brot verkaufen, findet sich auch in den Frankfurter Messehallen das entsprechende Angebot.

IAA 2015: Impressionen der neuesten PS-Boliden

Deutschland soll zum Leitmarkt für die Elektromobilität werden. Dieser Weckruf des VDA-Präsidenten Matthias Wissmann muss allerdings noch von der Politik erhört werden. Denn ohne zusätzliche Förderung bleibt das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, reines Wunschdenken. Gleichwohl hat der Verbrennungsmotor nicht ausgedient. Downsizing, Leichtbau und Aufladung zur Effizienzsteigerung sind noch längst nicht ausgereizt, wie die Autoschau erneut belegt. Dass Ökologie und Fahrspaß miteinander harmonieren, ist ein weiteres verbindendes Element der IAA in Frankfurt.

Quelle: op-online.de

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