Einmal Freiheit für „Pussy Riot“

Kommentar: Ein bisschen Gnade

Die Frauen haben bekommen, was sie haben wollten“, hatte Kremlchef Putin nach der Verurteilung der drei „Pussy Riot“-Mädchen verkündet. Von Werner Menner

Zwei Jahre Straflager für eine im Grunde kindische Trotz-Aktion? Sicher, eines der Mädchen wurde nun auf Bewährung freigelassen, weil es nur indirekt an dem Mini-Aufstand gegen Putin teilgenommen hatte. Ein bisschen Gnade, das beweisen soll, dass es in Russlands instrumentalisierter Justiz fair zugeht. Der Ruch der Willkür bleibt bestehen. Und ein wirklich freier Mensch wird die junge Frau auch in Freiheit kaum sein.

„Pussy Riot“ rüttelt weder mit ihren Liedern noch mit ihren Protestaktionen an den Grundfesten des Kreml oder an der Macht des Regenten. Dazu ist die Band viel zu unbedeutend und die konservative Anhängerschar des Präsidenten viel zu groß. Doch sie sind nicht allein. Die Opposition gewinnt an Gewicht, der Zar fühlt sich gestört. Höchste Zeit also, ein Exempel zu statuieren – und der Opposition zu zeigen, woher der Wind weht. Die Aktion der „Pussy Riot“-Sängerinnen kam dafür gerade recht.

Doch so berechnend der Kreml bei der Strafaktion auch vorgegangen ist: Sie lief aus dem Ruder. Die Mädchen wurden zu Märtyrerinnen, das Verfahren gegen sie entlarvte sich selbst als Schauprozess. Und der Umgang mit den Frauen macht bis heute deutlich, dass es nie um Gerechtigkeit ging. Die Atmosphäre der Konfrontation wird sich weiter verdichten – und von echter Demokratie wird man in Russland auf absehbare Zeit nur träumen können.

Quelle: op-online.de

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