Fußball-Korruptionsskandal

Kommentar: Und jetzt Olympia

Knapp 800 Millionen Menschen auf dem Globus leiden Hunger. Das sind etwas weniger als noch im Vorjahr. Befriedigen kann diese Entwicklung jedoch nicht, denn sie ist der absoluten Zahl nach weit entfernt vom anvisierten Fortschritt bei der weltweiten Hungerbekämpfung. Von Frank Pröse

Das gesteckte Ziel – eine Welt ohne Hunger bis 2030 – liegt in weiter Ferne. Bei Fortschreibung des aktuellen Trends wären wir erst 2060 so weit. Dafür müssten beispielsweise die in Elmau vertretenen G7-Staaten ihre Mittel sukzessive erhöhen. Nach Untersuchungen der Welthungerhilfe haben aber gerade diese reichen Staaten die Mittel für Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung von 11,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 8,6 Milliarden im Jahr 2013 gesenkt. Ein Skandal, von weit größerer Bedeutung als die offiziell aufgedeckten verbrecherischen Methoden an der FIFA-Spitze um Joseph Blatter, auch wenn der mit seinem in der Schweiz als gemeinnützig registrierten Verein ähnliche Summen bewegt. Der Bericht der Vereinten Nationen zur Welternährung geht unter im Medienhype um den glamourös-mafiösen Selbstbedienungsladen namens Fußball. Dies zu beklagen, mag als moralinsauer aufstoßen, wirft doch aber nur ein Schlaglicht auf jene fragwürdigen Prioritäten, die sich unsere Gesellschaft setzt. Da gehen Sponsoren auf Distanz, als ob sie von den Praktiken der Geldumverteilung, von Beschiss und Betrug unter dem Schutzschirm einer Steueroase nichts gewusst hätten.

Heuchler! Sie waren ein Teil des Systems, haben davon mächtig profitiert. Ohne ihre gigantischen Zuwendungen gäbe es deutlich weniger Anreize für Korruption unter den Spitzenfunktionären. Jetzt befürchten die Sponsoren, vom aufgewirbelten Staub bei ihren Geschäften behindert zu werden. Es ist bigott und bezeichnend für die moralische Verfasstheit, dass die Moral genau dann bemüht wird, wenn’s teuer zu werden droht. Alle haben mitgemacht, so lang ihr Image unbeschadet blieb. Kontinentalverbände wie die UEFA, Nationalverbände wie der DFB, TV-Anstalten und natürlich auch Sponsoren, alle haben sie beim Blatter-Spiel mitgezockt und haben sich daran bereichert. Und nun weiß natürlich plötzlich niemand etwas von den Machenschaften hinter den Kulissen. Alle geben das Unschuldslamm und versuchen, heil aus der Sache herauszukommen. Unser aller Hoffnung liegt also auf den Justizbehörden. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, wenn einmal das gesamte Umfeld aus Sportartikelherstellern und Sportrechtevermarktern mit untersucht würde. Auch das ist ein Sumpf, der einmal trocken gelegt gehört, ebenso wie der Bereich Olympia und das IOC. Und doch: So ärgerlich diese Machenschaften auch sind, angesichts von 800 Millionen Hungernden regt man sich eigentlich über ein Luxusproblem auf.

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Quelle: op-online.de

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